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Islamophober Walliser

Oskar Freysinger, Walliser SVP-Aushängeschild, wirft Islam, Islamisten und alle Muslime in den gleichen Topf. Zwar anerkennt er, dass es viele “gemässigte Muslime” gebe, doch den Islam sieht er als gefährliche Ideologie. Auf Radio Suisse Romande liess er verlauten, der Islam sei eben weit mehr als bloss eine Religion, nämlich eine Weltanschauung mit Rechts- und Moralvorstellungen, die er allen vorschreibe. Abgesehen davon, dass damit ein extrem statisches Bild einer absoluten Gehorsam einfordernden Religion als unverrückbarer monolithischer Block gezeichnet wird, hätte eine vergleichende Betrachtung Interessantes an den Tag gefördert: Auch das Christentum ist so gesehen eine Ideologie, auch hierzulande wurden Rechts- und Moralvorstellungen in seinem Namen durchgesetzt. Gerade als Walliser müsste Freysinger doch wissen, wie lange der Katholizismus sich als starke Staats- und Gesellschaftsideologie halten konnte und zum Teil bis heute hält. Ziemlich ähnlich wie heute radikale Islamisten Frauenrechte ablehnen, so haben katholische Walliser seinerzeit auch das Frauenstimmrecht, Konkubinat und Scheidung abgelehnt.

Geschichte hilft dabei, Zusammenhänge zu ziehen und Gegenwärtiges mit Vergangenem zu vergleichen. Das wiederum kann Orientierungswissen liefern. Die Betrachtung der Geschichte lehrt ebenfalls, dass nichts in Stein gemeisselt ist und nichts ewig gleich bleibt oder gleich ausgelegt wird. Der Islam von Mohammed im 7. Jahrhundert nach Christi hat nicht mehr viel Gemeinsamkeiten mit dem praktizierten Islam der heute in Europa lebenden Muslime, genauso wie der westliche Islam sehr wenig gemein hat mit den Hasspredigten eines Bin Ladins oder mit dem Staatsislam einer nach Atomwaffen strebenden Mullah-Republik. Eine kleine Geschichtslektion hätte Freysinger sicher nicht geschadet. Und als Deutschlehrer an einem Gymnasium wäre er eigentlich sehr nahe an der Quelle. Freysinger täte besser daran, ab und zu mit seinen Kollegen von der Fachschaft Geschichte zu diskutieren, statt in halb Europa bei allerlei rechtskonservativen und rechtsextremen Islamophobikern aufzutreten.

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