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Chrüsimüsi

Es herrsche neuerdings ein «Mundartverbot» im Kindergarten, hört man von Kritikern der heutigen Schule. Tatsächlich verhält es sich umgekehrt: Die Initiative der Jungen SVP mit dem netten Titel «Ja zu Mundart im Kindergarten» verlangt ein eigentliches Hochdeutschverbot. Bei aller Freude an den vielen Dialekten, die sich in der Schweiz erhalten haben und gepflegt werden, darf nicht vergessen werden, dass die offizielle erste Amtssprache die deutsche Schriftsprache ist. Oder wie es Literaturexperte Peter von Matt ausdrückt: «Unsere Muttersprache ist Deutsch in zwei Gestalten: Dialekt und Hochdeutsch.» Deutschschweizer Kinder wachsen wie selbstverständlich in beide Sprachen hinein; sie sprechen Dialekt mit Eltern, Geschwistern und Bekannten, und hören Hochdeutsch auf Kassetten und in Filmen. Weder ein Mundart- noch ein Hochdeutschverbot im Kindergarten ist sinnvoll. Beide Sprachen werden im Kindergarten und in der Schule gelernt und genutzt. Meines Erachtens machen die Initianten ein Chrüsimüsi, sie verwechseln Identität mit Sprache. Die Schweiz ist eine Willensnation und keine sprachlich definierte Kulturnation. Im Kindergarten sollen weiterhin Dialekt und Hochdeutsch erlaubt sein, damit er seine Funktion als Vorbereitung auf die Schule erfüllen kann. Ich stimme entschieden NEIN zu einer völlig unnötigen und kontraproduktiven Initiative. -> Flyer des Gegenkomitees

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Danke, Uri!

Das Verdikt der Zürcher Stimmbevölkerung befremdet mich. Im Kindergarten wird auch dort meist Mundart gesprochen, aber etwa zu einem Viertel auch Hochdeutsch. Das erleichterte den Kindern den Übergang in die Primarschule, wo die Standardsprache selbstverständlich ist. Nun ist offenbar schon dieses Viertel zuviel. «Mundart im Chingsi!» ist die neuste Parole der selbsternannten Patrioten. Sie behaupten, damit die Integration der Kinder zu fördern. Doch es geht wohl eher um das Gegenteil, die Ausländer zu piesacken, ein Volksentscheid auch gegen die Deutschen. Die kleinen Eidgenossen sollen doch wenigstens noch einen Vorteil haben gegenüber den Deutschen… Solange es kein Ausländerstimmrecht gibt, wird man weitere Möglichkeiten finden, um frustrierten Wutbürgern Ventile für ihr Ressentiment anzubieten. Wollte man ernsthaft über Integrationsprobleme diskutieren, würde man besser über die Ursachen sprechen: neoliberaler Steuerwettbewerb, Buhlen nach den grossen Multis, Köderung reicher Ausländer und immer mehr Villenzonen. Doch beim kurzsichtigen Tanz ums grosse Geld macht die Scheinbare Volkspartei (SVP) immer fleissig mit. Befriedigender sind die Resultate im Kanton Luzern. Trotz Recyclings der weinenden Kinder nahm die Luzerner Stimmbevölkerung das neue Volksschulbildungsgesetz klar an. Und der Entscheid über die Regierungszusammensetzung fiel so deutlich aus, dass es keinen zweiten Wahlgang gebraucht hätte.

Besonders gefreut habe ich mich heute über Genf, das die Städteinitiative annahm. Diese will, dass der Fuss-, Velo- und öffentliche Verkehr gefördert wird. Und ganz toll fand ich die Vernunft der Urner. Sie haben die Initiative der jungen SVP verworfen, die zwei richtungsgetrennte Gotthard-Tunnels forderte. Und sie haben auch den Gegenvorschlag des Regierungsrates abgelehnt, der eine Ersatzröhre vorschlug. Beide Ansinnen wurden mit der für ca. 2020 anstehenden Sanierung des Gotthardlochs begründet. Doch 2017 wird der NEAT-Basistunnel planmässig in Betrieb gehen. Es wäre ja gelacht, wenn sich keine Möglichkeit fände, während der Sanierung des Strassentunnels einen effektiven Bahntransport der Güter und der Personenwagen zustande zu bringen. Deswegen baut man ja die NEAT, damit die Urner und Tessiner vom Strassenverkehr entlastet werden, langfristig sollen die Güter auf die Schiene. Die Urner haben Vernunft bewiesen und das Verlagerungsziel erneut bestätigt, das seit der angenommen Alpeninitiative (1994) in der Bundesverfassung steht. Leider verkehren heute noch viel zu viele Güter durch die Alpen. Aber die Urner haben kapiert, mit zusätzlichen Strassen löst man das Problem nicht. Neue Strassen haben noch immer und überall das Verkehrsaufkommen erhöht.

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