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Gedenkanlässe verbinden

In einer kürzlich eingereichten Motion regt der Zuger Nationalrat Jo Lang (Alternative-die Grünen) an, die Schweiz solle 2012 gleichzeitig der zweiten Schlacht bei Villmergen vom Juli 1712 sowie der Gründung der Helvetischen Gesellschaft im Mai 1762 gedenken. Am Fuss des Rietenbergs bei Wohlen fand vor knapp 300 Jahren die letzte einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen katholischen und reformierten Orten statt, die in den zwei Jahrhunderten nach Zwinglis Reform die alte Eidgenossenschaft bis an den Rand des Auseinanderbrechens immer wieder stark herausgefordert haben. In seiner Motion bezeichnet der Grüne Nationalrat und Historiker Lang die Ereignisse von 1712 als “Höhepunkt des konfessionellen Konflikts”, die Gründung der Helvetischen Gesellschaft vor knapp 250 Jahren dagegen als “Ausweg aus diesem”, da diese Gesellschaft mit ihrer klaren Bejahung der (religiösen) Toleranz – auch gegenüber anderen Religionen wie etwa den Juden – den Grundstein legte für die Überwindung des konfessionellen Grabens (vor allem zwischen der katholischen Innerschweiz und den reformierten Städten Zürich, Bern und Basel) im späteren konfessionell neutralen Bundesstaat.

Langs Motion ist breit abgestützt. Unter den 34 Mitunterzeichnern finden sich Parlamentarierinnen und Parlamentarier aller Konfessionen und fast aller Parteien, darunter auch die Präsidenten von Grünen, SP, CVP, FDP und BDP. Auffällig ist nur das völlige Fehlen der SVP. Lang begründet dieses Abseitsstehen damit, dass sich sein Vorschlag der Verbindung des Gedenkanlasses für das Blutvergiessen im Namen der Konfessionen mit dem Gedenken an die Gründung einer überkonfessionellen Gruppe von Vordenkern, die von den Ideen der Aufklärung geprägt waren, implizit gegen die SVP richte. Denn die rechte Volkspartei bewirtschaftet seit einigen Jahren nicht nur die Fremdenangst allgemein, sondern speziell auch die Furcht vor neuen Religionen – besonders vor dem Islam. Darum hat Lang die Ratskollegen von der SVP offenbar gar nicht erst angefragt für seine Motion. Vielleicht hätte er das besser gemacht; denn noch wirkungsvoller als eine Motion aller Parteien ausser der SVP wäre eine Motion mit Unterzeichern aus sämtlichen Parteien. Man hätte sicher auch in den Reihen der Volkspartei Parlamentarier gefunden, die hinter dem Anliegen stehen – die implizite Spitze gegen die eigene Partei hätten sie wohl gar nicht bemerkt.

Dem Vorstoss wünsche ich viel Erfolg. Die Verbindung der beiden Anlässe lässt sich historisch wie politisch gut begründen. Eine solche Gedenkfeier böte eine willkommene Gelegenheit, sich erneut mit der Frage nach der Schweizer Identität, dem Verhältnis von Kirche(n) und Staat sowie dem Grundwert Toleranz auseinanderzusetzen. Es würde sicher nicht schaden.

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