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Zu hoch gepokert

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gerät immer tiefer in den Schlamassel, seit die Unregelmässigkeiten bei seiner Dissertation durch eine Rezension in einer Fachzeitschrift publik wurden. Die ganze Affäre liess mich staunen: Wie ist es möglich, dass in Zeiten von Google das nicht früher aufgefallen ist? Arbeitet man so schlampig an der Universität Bayreuth, dass eine derart plagiatreiche Arbeit nicht nur angenommen, sondern sogar noch mit der Höchstnote “summa cum laude” bewertet wird? Guttenberg hat in der folgenden Affäre zu lange alles aussitzen wollen, was ihm recht bald den Spitznahmen “Selbstverteidigungsminister” eingetragen hat.* Dabei hat der Vorwurf an sich mit seinem politischen Amt nichts zu tun: Seine Funktion könnte er auch ohne Doktortitel ausüben. Verstrickt er sich aber nun in Lügen, dann wird es zunehmend eng für ihn.
* So nannte man übrigens für einige Zeit auch den Schweizer Militärminister Samuel Schmid, als er wegen dem untragbar gewordenen Armeechef Naef im Sommer 2008 in grosse Schwierigkeiten geriet.

Hätte Guttenberg von Anfang an die Fehler eingeräumt und auf seinen Doktortitel verzichtet, wäre er vielleicht mit einem blauen Auge davon gekommen. So aber ist sein Ruf arg ramponiert, vielleicht für immer. Das erfüllt all jene mit Schadenfreude, die den adligen Aufsteiger und Hoffnungsträger nicht mochten, in dem gewisse Medien (voreilig) schon den nächsten Kanzler sahen. Was hat er sich dabei gedacht? Es ist doch eigentlich klar, dass ein solcher Betrug früher oder später auffliegt. Zudem gilt das erst recht für einen derart prominenten und profilierten Autor. Natürlich ist Plagiat in der Wissenschaft kein Kavaliersdelikt und es ist in jedem Fall streng zu ahnden, ob es sich nun um einen Politiker oder irgendeine andere Person handelt. Die Vermutung drängt sich zudem auf, dass der vielbeschäftigte Jungstar der deutschen Politik die Disseration gar nicht selbst verfasst hat. Nachdem er nun auf den Titel zuerst vorübergehend und nun definitiv verzichtet, hält er jedoch weiterhin die Fiktion aufrecht, dass er sie selbst geschrieben hat. Vielleicht muss er das, denn ein gekaufter Doktortitel ist offenbar für seinen Ruf noch weit gravierender als eine wissenschaftlich hochgradig inkorrekte Arbeitsweise. Doktortitel können nicht gekauft werden; entweder hat man die Zeit und die Fähigkeiten, um eine Dissertation selbst zu schreiben oder dann lässt man es besser bleiben. Genauso wie Pseudo-Universitäten, die den Kauf von scheinbar anerkannten Qualifikationen ermöglichen (“Titelmühlen”), gehörten auch Doktorarbeit-Firmen eigentlich verboten.

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