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Alles nur «Fukushima-Effekt»?

In der Berichterstattung vor und nach den Wahlen im Baselbiet und in Baden-Württemberg, die für die Grünen sehr erfreulich ausfielen, dominierte ein Begriff: der «Fukushima-Effekt». Als ob die Grünen nichts für die Wahlerfolge gemacht hätten, liefert dieser Effekt vor allem eine willkommene Erklärung für die Verlierer. Doch wenn im Kanton Basel-Landschaft auf Anhieb ein amtierender SVP-Regierungsrat abgewählt und durch einen grünen Politiker ersetzt wird, dann dürfte das nicht nur eine Folge des Atomunglücks in Japan sein. Eine Mehrheit der Baselbieter StimmbürgerInnen sieht offenbar lieber einen pragmatischen Grünen in der Regierungsverantwortung als einen Vertreter der rechten Polteris. Im Parlament gewinnen Grüne und Grünliberale auf Kosten von FDP und CVP. Das ist sehr erfreulich und ich wünsche mir, dass auch die Wahlen in Zürich nächste Woche und im Kanton Luzern in 14 Tagen ähnlich ausgehen.

Wer den Grünen die jüngsten Erfolge nicht gönnt, schiebt alles dem «Fukushima-Effekt» zu, als ob die grünen Parteien sonst nichts geleistet hätten. Am weitesten ging gestern die NZZ am Sonntag, die Grüne und Grünliberale “im Schlafwagen zum Erfolg” fahren sieht. In einem längeren Artikel verstieg sich Markus Häfliger gar dazu, alle bisherigen grösseren Wahlerfolge der Grünen externen Ereignissen zuzuschreiben. Nach dieser Auffassung haben Grüne 1987 nur zugelegt wegen dem “Tschernobyl-Effekt”, 2003 half angeblich der Hitzesommer und 2007 der Klimawandel, wobei übrigens nicht die alamierenden Berichte des Klimarats IPCC den Ausschlag gaben, sondern Al Gores unbequemer Film. Das ist die Logik von Medienschaffenden, die ihre eigene Bedeutung überbewerten. So einfach kann man sich’s machen. Das Spekulieren über angebliche Effekte erspart dem Politjournalisten die ernsthafte Auseinandersetzung mit den Inhalten und Zielen der Grünen. Ich bin aber überzeugt, dass die Positionen der Grünen viel entscheidender sind als gerade aktuelle Ereignisse.

Externe Effekte werden meines Erachtens überschätzt, sie spielen eher eine untergeordnete Rolle. Niemand wählt doch (nur) grün wegen Tschernobyl, Fukushima, dem Klimawandel oder gar einer Hitzewelle. Hingegen ist es möglich, dass klimatische Extremereignisse und Katastrophen eine gewisse Zahl von Wählenden daran erinnern, dass es Grüne gab und gibt, die schon immer vor den negativen Folgen eines rücksichtslosen Umgangs mit der Natur, dem Klima und Hochrisikotechnologien gewarnt haben. Grüne haben den Klimawandel als ernstes Problem wahrgenommen und Massnahmen gefordert, schon bevor alarmierende Zeichen sichtbar wurden. Der «Fukushima-Effekt» wird den Grünen im Wahljahr 2011 wohl etwas helfen, aber eben nur deswegen, weil sie sich schon immer gegen die Atomkraft gewandt haben, als andere Parteien noch allen Ernstes neue Atomkraftwerke planten und eine drohende Stromlücke herbeiredeten. Die Grünen haben immer Sparsamkeit, Effizienz und Alternativenergien gefordert, auch als das scheinbar nicht populär war. Sie müssen nun nicht wie andere Parteien plötzlich eine völlige Kehrtwende vornehmen. Ihre ehrliche, glaubwürdige und zukunftsgerichtete Umwelt-, Klima- und Energiepolitik zahlt sich letztlich aus.

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Fleischsorgen

In der Westschweiz is(s)t man wieder mal einen kleinen Schritt weiter. Die Frage des Fleischkonsums wurde mit Vorstössen in die Parlamente von Lausanne und Morges eingebracht. Konkret fordern die Wortführerinnen, zwei grüne Abgeordnete, dass an den Schulkantinen an mindestens einem Tag pro Woche nur Gerichte ohne Fleisch, Fisch und Geflügel auf dem Menüplan stehen. Sofort hiess es von der Gegenseite, dies sei eine sozialistische Einschränkung der Wahlfreiheit etc. Aber ich denke, dass man den Schulkantinen durchaus diesen Auftrag erteilen kann. Es gibt ja viele gute Vegi-Gerichte, und warum sollten Kinder nicht auf den Geschmack kommen dürfen?

Un Jour Végétarien par Semaine ist eine Initiative, die auf dem Fakt basiert, dass (zu) hoher Fleischkonsum in mehrfacher Hinsicht problematisch ist. Einerseits schadet zu hoher Fleischkonsum gesundheitlich, wie viele Studien zeigen. Andererseits verschärft hoher Fleischkonsum (wie auch die Unsitte von Biotreibstoffen) die Knappheit der weltweiten Nahrungsmittel. Es gibt eine Reihe von pflanzlichen Eiweissen, die Fleisch, Fisch oder Geflügel problemlos ersetzen können. Natürlich darf man sich die Frage stellen, ob denn Soja aus Brasilien besser sei als Rindfleisch aus der Schweiz. Nur, womit werden denn unsere Rindvieher gefüttert? Von der Autarkie (Selbstversorgung) im Ernährungsbereich ist die Schweiz zur Zeit so oder so meilenweit entfernt. Mehr pflanzliche und weniger tierische Ernährung verbraucht netto aber einiges weniger an natürlichen Ressourcen.

Klar ist: Steigender Fleisch-, Fisch- und Geflügelkonsum für eine weiterhin zunehmende Weltbevölkerung verschärft die Problematik der steigenden Nahrungsmittelpreise, die Überfischung der Meere und nicht zuletzt den Klimawandel. Interessant ist, dass hoher Fleischkonsum noch immer als Kennzeichen von Wohlstand gilt. So steigt aktuell in China mit der zunehmenden Entwicklung auch der Fleischkonsum an. In den Industrieländern stieg der Pro-Kopf-Konsum zwischen 1960 und 2000 von 57 kg auf 91 kg an. Es ist an der Zeit, mit dem Trend zu brechen. Weniger ist in diesem Fall eindeutig mehr: Weniger Fleischkonsum – weniger Folgeprobleme – höhere Lebenserwartung. Letzteres zeigt das Beispiel Japans, wo der Fleischkonsum relativ tief ist. Dafür isst man dort gern fettreiche Fische, die als sehr gesund gelten. Der aktuelle Sushi-Trend gefährdet den Blauflossenthunfisch akut. Wichtig sind demnach auch hohe Standards der nachhaltigen Bewirtschaft von Fischbeständen, damit nicht tieferer Fleischkonsum am Ende einfach mit der Leerfischung der Meere kompensiert wird. E Guete.

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