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Fleischsorgen

In der Westschweiz is(s)t man wieder mal einen kleinen Schritt weiter. Die Frage des Fleischkonsums wurde mit Vorstössen in die Parlamente von Lausanne und Morges eingebracht. Konkret fordern die Wortführerinnen, zwei grüne Abgeordnete, dass an den Schulkantinen an mindestens einem Tag pro Woche nur Gerichte ohne Fleisch, Fisch und Geflügel auf dem Menüplan stehen. Sofort hiess es von der Gegenseite, dies sei eine sozialistische Einschränkung der Wahlfreiheit etc. Aber ich denke, dass man den Schulkantinen durchaus diesen Auftrag erteilen kann. Es gibt ja viele gute Vegi-Gerichte, und warum sollten Kinder nicht auf den Geschmack kommen dürfen?

Un Jour Végétarien par Semaine ist eine Initiative, die auf dem Fakt basiert, dass (zu) hoher Fleischkonsum in mehrfacher Hinsicht problematisch ist. Einerseits schadet zu hoher Fleischkonsum gesundheitlich, wie viele Studien zeigen. Andererseits verschärft hoher Fleischkonsum (wie auch die Unsitte von Biotreibstoffen) die Knappheit der weltweiten Nahrungsmittel. Es gibt eine Reihe von pflanzlichen Eiweissen, die Fleisch, Fisch oder Geflügel problemlos ersetzen können. Natürlich darf man sich die Frage stellen, ob denn Soja aus Brasilien besser sei als Rindfleisch aus der Schweiz. Nur, womit werden denn unsere Rindvieher gefüttert? Von der Autarkie (Selbstversorgung) im Ernährungsbereich ist die Schweiz zur Zeit so oder so meilenweit entfernt. Mehr pflanzliche und weniger tierische Ernährung verbraucht netto aber einiges weniger an natürlichen Ressourcen.

Klar ist: Steigender Fleisch-, Fisch- und Geflügelkonsum für eine weiterhin zunehmende Weltbevölkerung verschärft die Problematik der steigenden Nahrungsmittelpreise, die Überfischung der Meere und nicht zuletzt den Klimawandel. Interessant ist, dass hoher Fleischkonsum noch immer als Kennzeichen von Wohlstand gilt. So steigt aktuell in China mit der zunehmenden Entwicklung auch der Fleischkonsum an. In den Industrieländern stieg der Pro-Kopf-Konsum zwischen 1960 und 2000 von 57 kg auf 91 kg an. Es ist an der Zeit, mit dem Trend zu brechen. Weniger ist in diesem Fall eindeutig mehr: Weniger Fleischkonsum – weniger Folgeprobleme – höhere Lebenserwartung. Letzteres zeigt das Beispiel Japans, wo der Fleischkonsum relativ tief ist. Dafür isst man dort gern fettreiche Fische, die als sehr gesund gelten. Der aktuelle Sushi-Trend gefährdet den Blauflossenthunfisch akut. Wichtig sind demnach auch hohe Standards der nachhaltigen Bewirtschaft von Fischbeständen, damit nicht tieferer Fleischkonsum am Ende einfach mit der Leerfischung der Meere kompensiert wird. E Guete.

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