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Wir sind auch (ein bisschen) hart

Die FDP Schweiz hat an ihrer Delegiertenversammlung ein umstrittenes Papier zur Migrationspolitik genehmigt. Es übernimmt ein paar Leitmotive der SVP-Dauerpropaganda gegen Ausländer. Wo aber bei der SVP Ausländer generell verdächtig sind, hängt bei der Wirtschaftspartei FDP alles von ihrer Nützlichkeit für die Schweizer Wirtschaft ab: Wer für eine Familie sorgen kann, darf diese selbstverständlich nachziehen. Ein Brady Dougan kann zwar nicht deutsch, entzieht aber als CS-Abzocker der Wirtschaft wohl genug Flüssiges und darf darum auch nachziehen, wen er will. Ein verfolgter Flüchtling aus einem armen Land dagegen darf sich wohl glücklich schätzen, überhaupt hierhin gefunden zu haben und trotz strengem Asylrecht eine Aufenthaltsgenehmigung erlangt zu haben – ein Recht auf Familie soll es für ihn aber sicher nicht geben. Das ist doch völlig logisch, oder?

Die FDP kann die Positionen verabschieden, die sie will. Aber ich bezweifle sehr, dass es taktisch clever ist, im Wahljahr das Thema der grossen Konkurrenz zu übernehmen und ein bisschen mit den Wölfen zu heulen. Und daraus will die FDP auch noch einen thematischen Schwerpunkt der Wahlen machen. Wer die wohl beraten hat? Eine optimistische und selbstbewusste Partei würde eigene Themen mit guten Botschaften besetzen. Das Ausländerthema ist aber nun seit Jahren von der Volkspartei ganz rechts besetzt und es wird der FDP nichts nützen, im Wahljahr zu posaunen, sie sei dann auch noch rechts. Diejenigen, die wirklich denken, das grösste Problem der reichen Schweiz seien die hier anwesenden Nicht-Schweizer, wählen wahrscheinlich sowieso schon SVP. Und mit dem Spruch “Aus Liebe zur Schweiz” lockt man wohl auch nicht besonders viele NeuwählerInnen aus dem Busch. Nichtssagend und austauschbar, kein eigenständiges Profil und schon gar keine radikalen Ideen mehr bei den Radicaux. Die einstige Staatspartei ist wirklich tief gefallen in den letzten 20 Jahren.

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Vernünftige bleiben weg

Quizfrage: Von welcher politischen Partei stammen folgende Vorschläge? 1. Die Unterscheidung zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung ist aufzugeben (und damit das Bankgeheimnis weiter zu lockern). 2. Die Schweiz sollte bis im Jahr 2039 aus der Atomenergie aussteigen. – Falsch, nicht SP oder Grüne, weder CVP noch FDP und schon gar nicht die SVP. Nein, so spricht die BDP, die sich als “die neue Kraft” im Wahljahr 2011 vor allem an Neu- und Wechselwähler wenden will. An ihrer gestrigen Delegiertenversammlung behauptete der Glarner Nationalrat Martin Landolt gar: “Die BDP ist auch grün.” Zwischen Rhetorik und Tatbeweis ist es zwar noch ein weiter Weg, aber immerhin tönen diese Worte doch einiges vernünftiger als die marktschreienden Parolen der SVP, zu der die meisten aktiven BDP-Politiker sich noch vor wenigen Jahren bekannten. Abweichungen gibt es vor allem punkto Aussenpolitik, Umweltschutz und Bildungswesen. In anderen Feldern bleibt die BDP der SVP nahe, etwa in der Ausländer-, Integrations- und Sicherheitspolitik.

Die BDP hat sich erstaunlich stark emanzipiert von der SVP, die zunehmend schrill ihre immer gleichen Parolen mediengerecht auf allen Kanälen unablässig absondert: Wer nicht in die EU will, muss die SVP wählen… Eine Parole von 1995! Die SVP bleibt stehen und posaunt alte Sprüche, als ob nicht inzwischen erfolgreich über 125 bilaterale Abkommen geschlossen worden wären, die trotz anderslautender Behauptungen der Schweiz insgesamt viel mehr Vorteile als Nachteile gebracht haben. Interessanterweise verlangt nun gerade die Partei, die in den letzten Jahren am meisten von der Personalisierung der Politik profitiert hat, dass man “mehr über Inhalte als über Köpfe” reden soll. Schon gut, Toni, aber gleichzeitig den Medien schon mögliche Ständeratskandidaturen stecken! Die SVP nutzt den Medienzirkus perfekt für ihre Zwecke: Sie inszeniert ihren Parteitag mit viel Rummel und einem Zottel. Der ganze Saal in Emmenbrücke war plakatiert mit ganz vielen Abstimmungsplakaten, so dass bei dem knapp einminütigen Fernsehbericht über die DV das dämliche Knarrenplakat mindestens siebenmal zu sehen war. Während übrigens die SVP die Waffenschutz-Initiative mit 432 zu 1 Stimme ablehnte, empfiehlt die BDP zwar mit 82 zu 27 Stimmen bei 8 Enthaltungen ebenfalls die Nein-Parole. Das Ergebnis zeigt aber, dass dort eine Auseinandersetzung über Vor- und Nachteile einer Vorlage vermutlich möglich ist und das Resultat nicht von vornherein schon feststeht.

Es bleibt als Fazit: Die BDP ist das vernünftigere Gegenbild zur SVP, sie vereint die versprengten Überreste der Glarner und Bünder Demokraten und des liberalen Teils der Berner BGB/SVP. Wäre die Geschichte anders verlaufen, könnte die SVP heute eine “normale” Partei sein und etwa die Positionen der BDP vertreten. Aber einer kleinen Clique ist es ausgehend von Zürich ab den 90er-Jahren gelungen, die vierte Bundesratspartei zu übernehmen und sie in eine gut geölte Wahlkampfmaschine umzufunktionieren. Mit vereinfachten Positionen und Sündenbockpolitik, wie sie früher nur kleine Rechtsaussenformationen wie die Autopartei oder die Nationale Aktion zu vertreten wagten sowie rabiater Rhetorik, professionellem Marketing und viel Geld wurde sie zur stärksten Partei der Schweiz. Doch die Worte von Parteipräsident Brunner lassen erahnen, dass auch ihm langsam klar wird, dass die Ära Blocher definitiv bald abgeschlossen ist. Jeder Spuk geht mal zu Ende. Hoffen wir möglichst bald.

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