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Bümpliz und die Welt

Edita Abdieski (25) hat im Übermut nach ihrem Sieg bei der Castingshow X-Factor verlauten lassen, sie komme aus “so einer Scheissgegend in Bern”, womit sie das multikulturelle Quartier Bümpliz meinte. Dort stiess das manchen sauer auf und Edita krebste zurück, sie habe das doch nur so dahin gesagt. Bümpliz – die Banlieue von Bern? Den besten Ruf hat das Quartier im Westen Berns nicht gerade. Ganz ähnlich Schwamendingen oder Emmenbrücke – ehemalige Arbeitervororte, in die nicht mehr investiert wurde; der günstige Wohnraum wird nun von Armen, Ausländern und Auszubildenden genutzt.

Bümpliz ist aber nicht erst seit Edita schweizweit ein Begriff: Fast sein ganzes Lebens wohnte hier ein gewisser Carl Albert Loosli (1877-1956). Der Schriftsteller und Journalist mischte sich immer wieder engagiert in aktuelle Debatten ein, nahm stets Partei für die Diskriminierten und setzte sich als ehemaliges Verdingkind besonders für Jugendliche ein. Eine relativ früh zusammengestellte Aufsatzsammlung erschien 1906 unter dem Titel “Bümpliz und die Welt”. Ich wohnte einst eine Weile an der Looslistrasse in Bern-Bethlehem, nahe bei Bümpliz. Darum habe ich mich damals näher mit Loosli befasst und diese Texte gelesen. Als ich mir einen Slogan für diese neue Homepage überlegt habe, fiel mir “… über Luzern und die Welt” ein – nicht weil ich über Gott und die Welt philosophieren, aber lieber doch kein höchstes Wesen bemühen will. Nein, weil ich an Loosli dachte, dessen kompromissloses Engagement für echt humanistische Werte ich sehr schätze. Was er uns heute wohl zu sagen hätte, “der Philosoph von Bümpliz”? Wahrscheinlich würde er sich jedenfalls gewählter ausdrücken als Edita.

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