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Sie haben gewonnen!

Die DVA Delta Vital AG lädt mich zu einer Gewinnfahrt ein, denn ich habe den dritten Preis in einem Kreuzworträtsel gewonnen. Juhui! Hmm… ich löse gelegentlich solche Rätsel, schicke aber die Antworten selten ein. Auf der “offiziellen Gewinnbenachrichtigung” steht aber deutsch und deutlich: “Herzlichen Glückwunsch, Herr Fischer, Sie haben tatsächlich gewonnen. Die Auszahlung in Höhe von 2.000 CHF erfolgt am Mittwoch, 15. Dezember 2010 auf unserer wunderschönen Ausflugsfahrt.” Nun müsste ich an besagtem Tag bloss um 7:50 Uhr bei der Bushaltestelle bereit stehen und mich abholen lassen, alles sei kostenlos. Wohin die Reise geht? “Wir fahren mit Ihnen zu einer traditionsreichen Schweizer Schokoladenfabrik. Kaufen Sie im Fabrikladen die feinsten Leckereien zu Vorzugspreisen! Jetzt so günstig wie noch nie! Ein unvergessliches Erlebnis!”

Eine kurze Recherche im Internet bringt die erwartete Ernüchterung: Hinter Delta Vital stehen Rattenfänger der übelsten Sorte und viele haben mit diesen schon ein wahrhaft “unvergessliches Erlebnis” gehabt: Mit dem Versprechen angeblicher Gewinne werden Leute angelockt, die dann auf den Kaffeefahrten teure Produkte aufgeschwatzt bekommen und am Ende natürlich auch keinen Bargeld-Preis erhalten. Wer die Waren hingegen nicht bezahle, werde sofort unsanft aus dem Bus gewiesen. – Selber schuld, wer darauf hereinfällt? Klar, ein gewisses Mass an Vorsicht ist geboten, keine Firma kann auf Dauer mit Geschenken wirtschaften. Aber was hier vorliegt, ist eindeutig eine Irreführung der Konsumenten. Auf dem Papier steht zweifelsfrei, dass man gewonnen habe. Nirgends ein Hacken, kein Kleingedrucktes. Doch die juristische Einklagung des Preises hat noch nie funktioniert, ebensowenig wie die Rückgabe von aufgeschwatzten Produkten. Flugs lassen die Betrüger ihre Firma Konkurs gehen und gründen in einem anderen Kanton eine neue Gesellschaft mit anderem Namen. Es ist an der Zeit, solchen Machenschaften endlich Einhalt zu gebieten. Simonetta Sommaruga müsste die Problematik von ihrer früheren Arbeit beim Konsumentenschutz gut kennen. Als Justizministerin könnte sie sich nun dafür einsetzen, dass die Gesetze zum Schutz vor unlauterem Wettbewerb endlich Zähne bekommen. Denn solche Betrugsfahrten gehörten – ebenso wie die vielen Abzock-Geldspiele und die Astro”beratung” im abendlichen Privatfernsehen – endlich verboten und die Betrüger bestraft.

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Das obligatorische Auto

In Luzern läuft wieder die Aktion “Luzern – das freundlichste Geschäft”. Gesucht ist das freundlichste Geschäft, Wahlvolk sind die Konsumentinnen und Konsumenten. So weit, so gut. Es ist fürs Geschäft sicher nicht schlecht, wenn man sich bemüht, freundlich zu sein. Fürs Gemüt übrigens auch nicht.

Wie so oft wird die Sache mit ein paar Preisen verbunden, damit sich die Leute auch fleissig beteiligen, wie man es von ihnen wünscht. Und was ist der Hauptpreis? Einmal mehr ein Auto. Wie könnte es auch anders sein? Noch immer ist das offenbar das Symbol No. 1 für die Konsumreligion und so ist es kein Zufall, dass es als Hauptpreis vieler Wettbewerbe angepriesen wird. Der Anzeiger Luzern, Medienpartner der Aktion, zeigt gleich auf der ersten Seite seiner Ausgabe vom letzten Freitag das Gewinnobjekt, das nun angeblich so viel beachtet würde. Kein Wunder: Am Bahnhof würde man Züge erwarten und nicht ein Auto. Muss dieser mit Werbung und Anzeigen vollgeklebte weisse Peugeot 107 nun einen Monat lang ausgerechnet im Luzerner Bahnhof herumstehen?

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