Schlagwort-Archiv: Verkehr

Ecopop bringt der Umwelt nichts

Ecopop beklagt sich über Diffamierungen und stilisiert sich als David im Kampf gegen einen übermächtigen Goliath. Niemand wolle sich die Finger an einem heiklen Thema verbrennen und über das Tabuthema Wachstum sprechen, dem stünden eben Ideologien von links und rechts entgegen.

Die Grünen vertraten zur Frage des Wachstums immer eine kritische Haltung. Wir führen gern die Diskussion, ob es für ein gutes Leben immer mehr und mehr braucht. Doch die Ecopop-Initiative lehnen fast alle Grünen ab – im Kanton Luzern erfolgte die Parolenfassung diesen Montag einstimmig. Die Initiative propagiert eine Scheinlösung. Wenn der Zuzug in die Schweiz erschwert würde, müssten einfach mehr ausländische Arbeitskräfte Tag für Tag über die Schweizer Grenze fahren, um zur Arbeit zu pendeln. Das bringt der Umwelt nichts.

Die Weltbevölkerung nimmt heute noch zu, weil die Menschen dank medizinischer Fortschritte älter werden. Doch die Zahl der Kinder ist bereits stabil. Entwicklungszusammenarbeit zielt auf gute Lebensbedingungen, die Respektierung der Menschenrechte und fairen Handel. Insbesondere der Zugang von Frauen zu Bildung ist zu fördern. Das ist zielführender als sich in die Familienplanung einzumischen.

Die Ecopop-Initiative ist klar abzulehnen, da sie zu Mehrverkehr und Lohndruck führt, aussenpolitische Schwierigkeiten verursacht und die Glaubwürdigkeit der Entwicklungszusammenarbeit untergräbt. Sie basiert auf der höchst ideologischen Annahme, der (ausländische) Mensch sei das grösste Problem für die Umwelt. Wir Grünen streben nach einem guten Leben der Menschen in Einklang mit der Natur. Dabei hilft die neuste Überfremdungs-Initiative nichts, darum Nein zu Ecopop.

Gekürzt erschienen in der Neuen Luzerner Zeitung vom 20.10.2014

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Doris will nageln…

Doris Leuthard meint im Echo der Zeit zweimal, dass die Sache jetzt in einem Gesetz «genagelt» werde. Gemeint ist die zweite Röhre am Gotthard, die gebaut werden soll um die erste zu sanieren. Danach sollen beide in Betrieb bleiben ohne die Kapazität zu erhöhen. Ich glaube nicht recht daran, denn Gesetze lassen sich ändern. Wenn einmal beide Röhren da sind, ist die Verlockung zu gross: Zuerst würde man «ausnahmsweise» an Ostern und am Anfang und Ende der Sommerferien alle vier Spuren befahren lassen…

Die Sache ist noch nicht genagelt! Es gibt nicht nur die Verfechter von Umwelt- oder Alpenschutz, die für sich allein wohl nicht ganz mehrheitsfähig sind. Gegen eine zweite Röhre werden sich aber auch alle aussprechen, die um andere Projekte fürchten und nach den beiden teuren Neat-Röhren nicht Milliarden (von 2,8 Mia. Franken ist zur Zeit die Rede – wetten, dass es mehr würde?) in weitere Löcher durch die Alpen stopfen wollen. Es wird schwierig für Frau Leuthard. Am besten legt sie gleich den Hammer weg, damit kommt sie nicht durch den Granit. Ein Referendum ist sicher und wird zu gewinnen sein.

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Zurück im Verkehr

Guten Abend, ich melde mich zurück auf meinem Blog. Ich war nicht etwa in den Ferien, sondern eher in einer Art intensivem Arbeitsurlaub. So kann das gehen, wenn man einen Text vollendet, dann wieder verändert und wieder kürzt und so weiter… Was ich dabei lernte, einmal mehr, Zeichenbegrenzungen von Texten sind ätzend. Man formuliert seine Gedanken und muss dann wieder davon Abstriche machen und weiss zuletzt nicht, ob das Wichtigste nicht gerade dadurch verloren ging – sehr frustrierend. Schön, dass mir hier niemand sagt, wie lang die Beiträge sein dürften.

Warum “zurück im Verkehr”? In Bern fuhr mein Zug nicht ab, weil er ein technisches Problem hatte, dessen Ursache ich bisher nicht weiss. Nach 15 Minuten fuhren wir, 22 Minuten zu spät waren wir in Luzern. Für mich nicht weiter tragisch, mein Anschluss wartet immer brav auf mich: Mein Velo steht in der Station und ist jederzeit fahrbereit. Das konnte man von den Autos nicht behaupten; rund um den Bahnhofplatz, über die Seebrücke und dem ganzen Schweizerhofquai entlang stapelten sie sich in den abenteurlichsten Positionen, um sich gegenseitig den Weg zu verstellen. Es geht also nicht ohne Ampeln – oder man ist es hier nicht gewohnt, darum gibt’s regelmässig ein Chaos, wenn mal was nicht stimmt. Und es zeigt sich einmal mehr, was ich schon lange wusste: Das beste Verkehrsmittel ist doch einfach immer noch das gute alte Velo. Ich kann langsam auf dem Fahrradstreifen fahren und muss mich nur selten über ein paar weniger intelligente Zeitgenossen ärgern, die auch noch dieses Gebiet für sich in Beschlag nehmen. Ich komme ja nicht rasend schnell vorwärts, aber bin dennoch eher zu Hause als alle anderen in ihren teuren Kisten. Es sollte rund um die Stadt grosse Park-and-Ride-Anlagen geben, wo man sein Auto parkieren könnte und dafür ein Mietvelo für einen Tag bekommt. Statt stapelweise Blechkisten könnten wir alle dann auf acht Spuren entspannt durch die schöne Stadt fahren…. Ja, das würde mir gefallen.

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Weg mit den Rasenmähern!

Im Frühling sind sie wieder überall: die lauten Töfflis und Roller. Mich ärgert als Velofahrer, dass sie zunehmend als Trittbrettfahrer von einem besser ausgebauten Radwegnetz profitieren. Dieses Netz wird doch zur Förderung des Langsamverkehrs und ökologischer Fortbewegungsweisen erstellt. Töfflis aber sind mit Sicherheit nicht ökologisch, nur langsam! Die meisten Töfflis sind gerade genug schnell, um mich auf dem Fahrrad zu überholen. Meist ruckeln sie dann aber nicht schneller vor mir hin und blasen mir ihr giftiges Abgas ins Gesicht. Ich finde, dass sich das bald ändern sollte. Nicht betroffen von meinem Anliegen sind die schnelleren Motorräder, die heute schon die Hauptspuren der Strasse benutzen müssen und sich auch daran halten.

Oft genug sind Radwege in der Schweiz nur abgetrennte Streifen auf viel befahrenen Strassen. Aber immerhin ermöglichen diese Randstreifen das Fortkommen – gerade auch dann, wenn der motorisierte Individualverkehr sich morgens und abends im städtischen Raum durch lange Staus blockiert. Wer jedoch von diesen Vorteilen des Radwegs profitieren möchte, die auch gebaut wurden, um die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer zu schützen, sollte selbst ein ökologisches Fahrzeug benutzen. Es kann doch nicht sein, dass der Staat zur Förderung des nicht-motorisierten Individualverkehrs ein Radwegnetz erstellt, auf dem dann die Velofahrenden von motorisierten Zweirädern belästigt, verdrängt und verpestet werden. „Rasenmäher“ haben auf Schweizer Strassen nichts zu suchen, schon gar nicht auf Radwegen und Velostreifen! Ich lade alle Umweltverbände und Grünen aller Richtungen ein, sich Gedanken zu machen, wie wir endlich die doofen Töfflis von den Radwegen wegbringen. Alle Vorschläge willkommen.

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Danke, Uri!

Das Verdikt der Zürcher Stimmbevölkerung befremdet mich. Im Kindergarten wird auch dort meist Mundart gesprochen, aber etwa zu einem Viertel auch Hochdeutsch. Das erleichterte den Kindern den Übergang in die Primarschule, wo die Standardsprache selbstverständlich ist. Nun ist offenbar schon dieses Viertel zuviel. «Mundart im Chingsi!» ist die neuste Parole der selbsternannten Patrioten. Sie behaupten, damit die Integration der Kinder zu fördern. Doch es geht wohl eher um das Gegenteil, die Ausländer zu piesacken, ein Volksentscheid auch gegen die Deutschen. Die kleinen Eidgenossen sollen doch wenigstens noch einen Vorteil haben gegenüber den Deutschen… Solange es kein Ausländerstimmrecht gibt, wird man weitere Möglichkeiten finden, um frustrierten Wutbürgern Ventile für ihr Ressentiment anzubieten. Wollte man ernsthaft über Integrationsprobleme diskutieren, würde man besser über die Ursachen sprechen: neoliberaler Steuerwettbewerb, Buhlen nach den grossen Multis, Köderung reicher Ausländer und immer mehr Villenzonen. Doch beim kurzsichtigen Tanz ums grosse Geld macht die Scheinbare Volkspartei (SVP) immer fleissig mit. Befriedigender sind die Resultate im Kanton Luzern. Trotz Recyclings der weinenden Kinder nahm die Luzerner Stimmbevölkerung das neue Volksschulbildungsgesetz klar an. Und der Entscheid über die Regierungszusammensetzung fiel so deutlich aus, dass es keinen zweiten Wahlgang gebraucht hätte.

Besonders gefreut habe ich mich heute über Genf, das die Städteinitiative annahm. Diese will, dass der Fuss-, Velo- und öffentliche Verkehr gefördert wird. Und ganz toll fand ich die Vernunft der Urner. Sie haben die Initiative der jungen SVP verworfen, die zwei richtungsgetrennte Gotthard-Tunnels forderte. Und sie haben auch den Gegenvorschlag des Regierungsrates abgelehnt, der eine Ersatzröhre vorschlug. Beide Ansinnen wurden mit der für ca. 2020 anstehenden Sanierung des Gotthardlochs begründet. Doch 2017 wird der NEAT-Basistunnel planmässig in Betrieb gehen. Es wäre ja gelacht, wenn sich keine Möglichkeit fände, während der Sanierung des Strassentunnels einen effektiven Bahntransport der Güter und der Personenwagen zustande zu bringen. Deswegen baut man ja die NEAT, damit die Urner und Tessiner vom Strassenverkehr entlastet werden, langfristig sollen die Güter auf die Schiene. Die Urner haben Vernunft bewiesen und das Verlagerungsziel erneut bestätigt, das seit der angenommen Alpeninitiative (1994) in der Bundesverfassung steht. Leider verkehren heute noch viel zu viele Güter durch die Alpen. Aber die Urner haben kapiert, mit zusätzlichen Strassen löst man das Problem nicht. Neue Strassen haben noch immer und überall das Verkehrsaufkommen erhöht.

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