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Stapi kampflos an Roth?

Die Wahlen in Luzern sind geschlagen, zumindest vorläufig. Mit der gleichzeitigen Wahl der weitgehend unbestrittenen Kandidaten von FDP, CVP, SP und Grünen steht noch der fünfte Sitz aus und der wird entscheiden über die zukünftige Ausrichtung der Stadtregierung. Mit der Grünliberalen Manuela Jost etwa gleich wie bisher mit dem abtretenden Stadtpräsident Urs W. Studer, mit Beat Züsli als zweitem SP-Vertreter etwas prononcierter rot-grün als bisher – oder wird gar noch ein dritter Kandidat ins Spiel geschickt? Prognose: Leichter Vorteil für Jost, vorausgesetzt CVP und FDP verzichten auf eine neue Kandidatur. Bleibt die SVP im Rennen, obwohl sie völlig chancenlos ist, erhöhen sich die Chancen von Züsli. Die rot-grüne Mehrheit ist in Reichweite, so oder so. Die Frage ist nur noch ob rot-rot-grün oder halt rot-grün-hellgrün. Es kommt so oder so nicht schlecht raus; Luzern ist grün, sozial und offen.

Enttäuscht bin ich über den Verlauf der Stadtpräsidentenwahl respektive über die unwürdige Lage, die sich hier ergibt. Zu denken geben muss, dass Stefan Roth im ersten Wahlgang schon fast die Wahl geschafft hätte. Die bisherige SP-Vertreterin Ursula Stämmer holte gerade mal knapp 4000 Stimmen; bei der Wahl in den Stadtrat erhielt sie hingegen weit über 9000 Stimmen. Klare Sache: Eine Mehrheit wollte Stämmer zwecks Kontinuität in der Regierung, doch nur knapp ein Fünftel der Wähler sehen in ihr aber eine Stadtpräsidentin. Auf den ersten Blick sieht es bei Adrian Borgula von den Grünen ähnlich aus, er erhielt fast gleich viele Stimmen wie Stämmer als Stadtrat und knapp 3500 als Stadtpräsident. Also wird er sich wohl zugunsten der SP aus dem zweiten Wahlgang zurückziehen. Doch man kann es auch so sehen: Borgula hat sehr viele Stimmen erhalten für einen Neuen, viel mehr als es dem Wähleranteil seiner Partei entspricht. Mehr als nur die Wähler der Grünen sähen in ihm wohl einen guten Stadtpräsidenten.

Egal welche Wahlempfehlung die Grünen abgeben, Stämmer würde gegen Roth verlieren, das steht fest, denn viele Linke werden sie nicht wählen (Stadträtin wurde sie dank vielen Stimmen von anderen Parteien). Nicht zuletzt zeigte sich an der Wahlempfehlung der Jungsozialisten für Borgula wie bei der SP viele denken. Mit Borgula hätte die rot-grüne Allianz noch eine knappe Chance es zu schaffen, das würde nebenbei auch die Chancen von Züsli erhöhen. Dazu müsste aber Stämmer ein Einsehen haben. Wird sie wohl leider nicht. Also könnte es soweit kommen, dass der CVP-Mann Roth vier Jahre lang einer rot-grünen Stadtregierung vorstehen wird, aber wahrscheinlicher hilft die Ausgangslage dann Jost. Denn einige Rote und Grüne werden über die Alternative Roth oder Stämmer derart enttäuscht sein, dass sie lieber gleich zu Hause bleiben. Stämmer könnte es noch richten, wenn sie aus ihrem relativ schlechten Ergebnis im Vergleich zu Roth den einzig richtigen Schluss zieht und auf eine erneute Kandidatur fürs höchste Amt verzichtet. Das würde den Weg freimachen für Borgula und ihren Kollegen Züsli. Ihr Nichteinsehen hilft hingegen Roth und Jost.

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