Schlagwort-Archiv: Schule

Fehlende Mittel sind das Problem, nicht Reformen

Die Luzerner Volksschule krankt meines Erachtens nicht an «Reformitis».
Stellungnahme zu einer entsprechenden Umfrage unter den Parteipräsidenten.

Wir leben in einer Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Diese erfordert auf allen Stufen optimal ausgebildete Fachkräfte. Ein vielfältiges Bildungswesen ist eine der wichtigsten Staatsaufgaben. Investitionen in die Bildung sind Investitionen in die Zukunft der hier lebenden Menschen. Sie ermöglichen den Ein- und Aufstieg im Erwerbsleben, und sichern die Steuereinnahmen von morgen.

Der Verfassungsartikel zur Bildung verlangt Harmonisierungen im Schulwesen. Es braucht nicht 26 verschiedene Systeme. Wir Grünen sind für Chancengerechtigkeit. Integrierte Schulung und frühen Fremdsprachenunterricht begrüssen wir, dazu braucht es aber auch die nötigen Mittel. Man kann nicht immer höhere Qualität erwarten und gleichzeitig an der Sparschraube drehen.

Ebenso wichtig wie Rechnen, Lesen und Schreiben ist es, Grundwissen über zentrale Themen unserer Welt zu erwerben und grundlegende Fertigkeiten zu üben. Wissen und Kompetenzen sind keine Gegensätze, sondern bedingen sich gegenseitig. Es geht nicht darum, alles zu wissen, sondern mit Wissen optimal umzugehen. Der Lehrplan 21 trägt dem Rechnung. Selbstverständlich enthält er Punkte, die man diskutieren kann. Doch Fundamentalopposition gegen dieses Projekt ist in keiner Weise angebracht.

Dieser Beitrag erschien im Rahmen einer Umfrage der Parteipräsidenten der sechs im Luzerner Kantonsrat vertretenen Fraktionen am 5./6. März 2015 in mehreren Regionalzeitungen (u.a. Surseer Woche und Willisauer Bote).

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Chrüsimüsi

Es herrsche neuerdings ein «Mundartverbot» im Kindergarten, hört man von Kritikern der heutigen Schule. Tatsächlich verhält es sich umgekehrt: Die Initiative der Jungen SVP mit dem netten Titel «Ja zu Mundart im Kindergarten» verlangt ein eigentliches Hochdeutschverbot. Bei aller Freude an den vielen Dialekten, die sich in der Schweiz erhalten haben und gepflegt werden, darf nicht vergessen werden, dass die offizielle erste Amtssprache die deutsche Schriftsprache ist. Oder wie es Literaturexperte Peter von Matt ausdrückt: «Unsere Muttersprache ist Deutsch in zwei Gestalten: Dialekt und Hochdeutsch.» Deutschschweizer Kinder wachsen wie selbstverständlich in beide Sprachen hinein; sie sprechen Dialekt mit Eltern, Geschwistern und Bekannten, und hören Hochdeutsch auf Kassetten und in Filmen. Weder ein Mundart- noch ein Hochdeutschverbot im Kindergarten ist sinnvoll. Beide Sprachen werden im Kindergarten und in der Schule gelernt und genutzt. Meines Erachtens machen die Initianten ein Chrüsimüsi, sie verwechseln Identität mit Sprache. Die Schweiz ist eine Willensnation und keine sprachlich definierte Kulturnation. Im Kindergarten sollen weiterhin Dialekt und Hochdeutsch erlaubt sein, damit er seine Funktion als Vorbereitung auf die Schule erfüllen kann. Ich stimme entschieden NEIN zu einer völlig unnötigen und kontraproduktiven Initiative. -> Flyer des Gegenkomitees

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Velo erst ab sieben?

Velofahren verbotenLobenswert, dass die Verkehrssicherheit auf den Strassen erhöht werden soll. Ich kenne längst nicht alle 36 Massnahmen im Paket “via sicura”, das der abtretende Bundesrat Leuenberger dem Parlament vorschlägt. Aber eine liess mich schon aufhorchen, als ich vor ein paar Monaten zum ersten Mal von ihr las: der Vorschlag, Kinder erst ab 7 Jahren das Velo fahren zu gestatten. Ich finde das reichlich seltsam. Pro Velo kämpft seit Jahren für eine stärkere Akzeptanz und Förderung des Velos und führt dazu Aktionen wie etwa “Bike2School” durch, mit einigem Erfolg. Weniger erfreulich ist der generelle Trend, dass Kinder weniger oft zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs sind. Statt dessen werden sie immer öfter mit dem Auto gefahren.

Ein Helmobligatorium für Kinder/Jugendliche ist wohl sinnvoll. Wenn nun aber der Bund das Velofahren für Kinder unter 7 Jahren ganz verbieten will, so ist das zwar gut gemeint und sachlich auch nicht absolut unbegründet (Distanzeinschätzung noch nicht ganz entwickelt). Im Effekt ist diese Massnahme aber ziemlich sicher kontraproduktiv. Damit werden einmal mehr nur jene bestärkt, die schon jetzt zuviel Angst davor haben, ihre Kinder aufs Velo zu setzen. Soll man sie denn besser alle mit dem Panzer (Offroader) in die Schule bringen? Ich fände es besser, wenn man mit anderen Massnahmen dafür sorgt, dass Quartierstrassen und die Schulwege sicherer gemacht werden, so dass Kinder auch schon vor 7 Jahren darauf Velo fahren lernen können – und es auch dürfen.

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