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Schuhtritte sind keine Lösung

Kürzlich sah ich Hans Fehr in Bern. Er stieg zufällig ins gleiche Tram ein, in dem ich schon fuhr. Mir fiel nicht ein, etwas anderes zu tun, als was ich ohnehin vorhatte: ich stieg bei der nächsten Station aus. Vor zwei Wochen sah er noch gut aus, nun wurde Fehr im Vorfeld der Albisgüetli-Tagung zusammen geschlagen. Die Täter aus dem Umfeld der Demonstration gegen die alljährliche SVP-Veranstaltung meinten vielleicht, das wäre eine sinnvolle Protestform gegen die von Fehr und seinen Parteikollegen geschürte Fremdenangst. Möglicherweise stehen die Täter mir also politisch näher als das Opfer. Dennoch finde ich die Aktion nur blöd und sie ist kontraproduktiv. Verprügelt man Fehr, dann verhilft ihm das nur tagelang zu gratis Medienpräsenz. Er steht als Opfer da und kann dadurch auf Sympathie zählen. Wer gewaltbereite Autonome oder Antifaschisten nicht von gewaltfreien Politikern unterscheiden kann, für den sind gleich alle Linken schuld. Die SVP zelebriert sich sowieso gern als Opfer, wahlweise der “Classe Politique”, aller anderen Parteien oder der angeblich linken Medien etc. Man kann die politischen Positionen von Fehr ablehnen (und das tue ich auch), aber der frühere Lehrer und heutige AunS-Geschäftsführer hat genauso wie alle andere Menschen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit – auch wenn seine Partei oft Menschenrechte in Frage stellt, besonders für AusländerInnen. Die Auseinandersetzung mit den Leuten vom Albisgüetli kann man nicht mit Schuhtritten gewinnen, sondern nur durch bessere Argumente und an der Urne. Gewalt ist kein Mittel der Politik.

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