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Grünliberale in den Nationalrat

Gemäss den Wähleranteilen der diesjährigen Kantonsratswahlen könnten die Grünliberalen im Herbst einen der 10 Luzerner Sitze im Nationalrat erobern. Allerdings nicht in jedem Fall. Die Rechenspiele ergeben folgendes Ergebnis: Wenn alle Parteien einzeln antreten, dann gingen 4 Sitze an die CVP, je 2 an SVP und FDP und je 1 an SP und Grüne. (Genauso haben sich das die Parteistrategen der CVP vor vier Jahren auch erhofft, aber bekanntlich war die SVP dann in den Herbstwahlen stärker.) Wenn SP und Grüne sich wie bisher zusammentun, ändert sich nichts an der Verteilung. Würden sich allerdings die Grünliberalen dem rot-grünen Bündnis anschliessen, dann reicht es für 3 Sitze. Davon ginge dann ein Mandat an jede der drei Parteien. Grüne und Grünliberale zu zweit würden den Gewinn von 2 Sitzen nicht schaffen. Wenn die Grünliberalen hingegen ein Bündnis mit CVP und FDP bevorzugen, dann erhielte ein solches zwar 6 Sitze und könnte also der SVP ebenfalls einen der aktuellen Sitze wegschnappen, doch ginge dieser nach heutiger Prognose an die CVP!

10 Mandate sind zu vergeben. Ich würde den Grünliberalen gern eines davon gönnen; ich sähe viel lieber einen oder eine der ihren für die nächsten vier Jahre als Teil der Luzerner Vertretung in Bern als nochmals 8 Mitte-rechts- oder Rechts-Politiker. Wenn es der glp gelänge, der SVP das 3. Wackelmandat wegzunehmen, das diese Partei 2003 und 2007 nur knapp gewann, dann würde mich das am meisten freuen. Zwar ist die Wahl im Oktober noch weit, aber dennoch werden jetzt die Weichen gestellt. Ich vermute die Grünliberalen wollen kein Bündnis mit SP und Grünen eingehen, auch wenn ihnen dies fast garantiert einen Sitz sichern würde. Zu gross scheint die Furcht, dadurch in die linke Ecke gestellt zu werden. Andererseits kann ich mir ein Zusammengehen mit FDP und CVP auch nicht vorstellen, denn diese Parteien haben wohl kein Interesse am Päckli mit derjenigen neuen Kraft, die ihnen Stimmen wegnimmt und die Grünliberalen keine Lust auf einen Pakt mit den “Verlierern”. Treten die Grünliberalen ganz allein an, müssen sie aber noch ziemlich zulegen, um einen Sitz abzuräumen.

Bei all diesen Rechenspielen sollte man bedenken, dass es nur Modellrechnungen mit aktuellen Zahlen sind. Die Erfahrung lehrt immerhin, dass bei eidgenössischen Wahlen die SVP bisher noch immer stärker war als bei den Kantonalwahlen; sie investiert am meisten und fährt eine grosse landesweite Kampagne. Die CVP war jeweils schwächer, also sollte sie sich meines Erachtens gar keine Hoffnung auf die Rückeroberung des vor Jahren verlorenen 4. Mandats machen. Umgekehrt waren SP und Grüne im Herbst auch jeweils leicht stärker als im Frühjahr; im ganzen Kanton können die Parteien mit den gleichen, in der Regel schon ziemlich bekannten, Kandidaten antreten. Ob das auch für die glp gilt, wird sich zeigen. Die Partei ist zur Zeit sehr erfolgreich und wird im Nationalrat 2011-15 bestimmt eine eigene Fraktion bilden können. Wird künftig auch jemand aus Luzern dabei sein? Wir dürfen gespannt sein.

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