Schlagwort-Archiv: Mühleberg

Atomausstieg bleibt Pflicht

Der schwere Störfall in Japan zeigt, wie bedrohlich Atomkraftwerke sein können. Ich hoffe für die Japanerinnen und Japaner, dass möglichst wenig radioaktive Strahlung ausstritt, die Menschen, Tiere und Umwelt auf Jahre hinaus belasten würde. Wenn nun von AKW-Befürwortern sofort behauptet wird, die Schweizer Kraftwerke seien viel sicherer, dann entspricht das einem gut eingeübten Reflex. Es müssen doch Zweifel angemeldet werden, der Unglücksreaktor entspricht in der Bauweise dem AKW Mühleberg. Zugegeben, in der Schweiz gab es noch nie einen Tsunami, aber kann man deswegen auch alle anderen Risiken und Naturkatastrophen ausschliessen? Es kann jederzeit zu einem Unfall kommen, ein Restrisiko bleibt immer.

Die Schweizer Stromkonzerne und ihre parlamentarischen Interessenvertreter versuchen uns seit einiger Zeit einzureden, dass es zwei oder drei neue Atomkraftwerke brauche, wenn ab 2020 die heutigen Werke abgeschaltet werden. Sie reden von einer angeblich drohenden „Stromlücke“ und preisen gefährlichen Atomstrom überdies als ökologische, ja grüne Stromquelle an. Doch radioaktive Strahlung entweicht auch im „Normalbetrieb“ und schon kleine Mengen davon sind schädlich. Es gibt neuere Studien, die zeigen, dass es weniger Geburten und mehr Krebsfälle im Umfeld von AKWs gibt.

Schon in den 70er-Jahren behaupteten die Stromfirmen und manche Parlamentarier, dass die Schweizer im Kerzenschein lesen müssten, wenn nicht subito 10-15 Atomkraftwerke gebaut würden. Bekanntlich verlief die Geschichte nach der Besetzung von Kaiseraugst etwas anders. Die „Stromlücke“-Theorie basiert auf einer unwissenschaftlichen Extrapolation von heute auf morgen. Doch zunehmender Stromverbrauch ist kein Naturgesetz und zukünftiges Verhalten kann nicht vorausgesagt werden. Die zukünftige Nachfrage hängt auch ganz massgeblich von Angebot und Preis ab.

Vehement widersprechen möchte ich der Behauptung, Atomstrom sei eine klimafreundliche Technologie. Atomstrom ist keine erneuerbare Energie, da sie auf Uran basiert, das wie Erdöl endlich ist. Der Abbau von Uran zerstört ganze Landschaften, etwa in Niger, Kanada oder Australien, und er setzt grosse Mengen CO2 frei, genauso wie der weitere Transport z.B. in die Schweiz. Hinzu kommt, dass Atommüll noch über Jahrtausende weiter strahlt. Niemand will diesen und es gibt keinen Ort, wo es für die nächsten 100’000 Jahre völlig sicher versorgt werden kann.

Atomstrom ist eine höchst gefährliche Energiequelle, deren Einsatz unverantwortlich ist. Ganz sicher brauchen wir nicht noch neue Atomkraftwerke, denn es gibt gute Alternativen. Klimafreundlich heisst Effizienz, Stromsparmassnahmen und Erneuerbare Energien. Neue Atomkraftwerke würden den Prozess der Umstellung auf sauberen, grünen Strom nur behindern. Darum sagen Grüne und Umweltverbände seit Jahren entschieden Nein zu neuen AKW.

Dieser Artikel erscheint auch als Kolumne auf lu-wahlen.ch – Das ganze Meinungsspektrum. Auf dieser überparteilichen Seite finden Debatten im Vorfeld der Luzerner Kantonsratswahlen statt.

Verwandte Beiträge:

Nein zu neuen AKW

Neue AKWs dürften es schwer haben: Eine neue Umfrage zeigt, dass selbst die Solothurner Bevölkerung rund um das bestehende Kraftwerk Gösgen ein Neubauprojekt mehrheitlich ablehnt. Die Strategie der drei grossen Stromkonzerne, drei neue Atomkraftwerke an den bisherigen Standorten Gösgen SO, Mühleberg BE und Beznau AG zu forcieren, galt bisher als ziemlich clever. Diese Gemeinden haben sich an den Geldsegen gewöhnt und darum wird von der Einwohnerschaft wenig Opposition erwartet. Doch aus der Geschichte liesse sich lernen: Kaiseraugst ist auch nicht an der Bevölkerung von Kaiseraugst gescheitert, sondern an der breiten Protestbewegung dagegen, die ihren Anfang im Baselbiet nahm und nach der Besetzung des Geländes 1975 eine regelrechte Volksbewegung in der ganzen Nordwestschweiz auslöste.

Es ist mir ein Rätsel, warum selbst Mitte-Parteien, die von einem mittelfristigen Ausstieg aus allen nicht-erneuerbaren Energien sprechen, bedingungslos die Forderung der Stromkonzerne nach neuen AKWs unterstützen. Welchen Sinn ergibt es, jetzt 2 oder 3 Atomkrafte zu planen, sie nach einer langen Auseinandersetzung und einer enorm teuren Abstimmungskampagne und einem vermutlich knappen Volksentscheid vielleicht endlich bauen zu können, so dass sie ca. 2025 ihren Betrieb aufnehmen würden, wenn man gleichzeitig von einem Ausstieg um das Jahr 2040 herum spricht? Das glaubt doch keiner, dass man AKWs dann nach 15 Jahren abstellen würde.
Es ist ein Verwirrspiel und das Hauptargument lautet “Stromlücke”, was immer mit schönen Statistiken “bewiesen” wird. Aber solche Statistiken machen uns was vor: Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Da wird einfach vom bisherigen Verbrauch und der bisherigen Zunahme auf die künftige Entwicklung geschlossen. Doch es gibt kein Naturgesetz, das besagt, dass die Schweizer StromkonsumentInnen immer mehr Strom benötigten. Zudem gibt es einen internationalen Strommarkt; der Schweizer Strombedarf muss nicht zwingend aus der Schweiz gedeckt werden. Ich würde neben Wasserkraft neue erneuerbare Energie aus Biomasse, Solar- und Windkraft aus der Region für die Region zwar bevorzugen, aber im Zweifelsfall bevorzuge ich friesischen Windstrom oder österreichischen Solarstrom gegenüber Berner, Solothurner oder Aargauer Atomstrom.

Es gab schon immer viele gute Gründe gegen Atomkraftwerke. Die Technologie ist hochgefährlich und hat fatale Auswirkungen, dafür hätte es den Beweis in Tschernobyl nicht gebraucht. Hochseriöse Studien belegen, dass Kinder im Umkreis von Atomkraftwerke ein signifikant höheres Risiko haben, an Leukämie zu erkranken. Kinder sind ein guter Indikator, da ihr Körper sensibler auf Umweltbelastungen reagiert. Gibt es mehr Krebs bei Kindern, ist es sicher für niemanden besonders gesund. Im Zeichen des Klimawandels besteht die neue Lieblingsstrategie der Strommultis darin, uns Atomkraft als CO2-freie Technologie schmackhaft zu machen. Das ist Humbug, denn Atomenergie basiert auf Uran und das wird z.B. in Kanada, Australien oder Niger abgebaut – in einem schmutzigen und umweltbelastenden Prozess, unter dem die Bevölkerung ganzer Landstriche enorm leidet. Atomstrom ist nicht sauber. Ausserdem ist er auch nicht erneuerbar, denn Uran ist genau wie Benzin endlich. Die grosse Herausforderung unserer Epoche ist es aber nun mal, mit dem unablässigen Verbrauch von nicht-erneuerbarer und fossiler Energien aufzuhören und die globale Wirtschaft auf erneuerbare Energien umzustellen. Je früher, desto besser. Neue AKW stören den notwendigen Umbau nur. Deshalb bin ich ganz klar gegen neue Kraftwerke. Ich hoffe, dass eine Mehrheit der Berner Stimmbevölkerung das gleich sehen wie die Grünen – sie kann am 13. Februar über die Pläne für ein neues AKW Mühleberg befinden. Weitere Konsultativabstimmungen stehen bevor, aber der grosse landesweite Referendumskampf wird voraussichtlich erst 2013 statt finden.

Verwandte Beiträge: