Schlagwort-Archiv: Luzern

Die alte Dame zieht von dannen

Die Politposse um die Salle Modulable erinnerte mich von Anfang ein bisschen an Dürrenmatts Stück “Der Besuch der alten Dame”. Während in Güllen aber die Versuchung durch das grosse Geld immerhin noch ein Gesicht hat, blieben im Luzerner Fall der oder die Geldgeber hinter einer ominösen Stiftung auf Wunsch anonym. Versprochen wurden 100-120 Millionen Franken für den Bau eines multifunktionellen Musiktheaters in Luzern. Den Rest überliess man der Politik und den Medien, die in den letzten zwei Jahren um das versprochene Geschenk rotierten. Einige sprachen von der grossen Chance für die “Musikstadt Luzern”, kritischere Geister warnten vor den hohen Betriebskosten, die andere Kulturaufgaben konkurrenzieren könnten. Die Luzerner Monopolzeitung fragte derweil nie, ob es überhaupt eine Salle Modulable braucht und ob sie rentabel sein könnte. Die mediale Diskussion drehte sich immer nur um die Frage, wo sie denn zu stehen kommen soll: Auf dem Lido beim Verkehrhaus, in der Nähe des KKL oder dürfte es auch etwas weiter weg sein, z.B. am Seetalplatz in Emmenbrücke? Und welcher Architekt wäre würdig, das neue Wunderwerk zu entfernen, das mindestens Nouvels KKL ebenbürtig sein muss, wenn nicht noch schöner/grösser/beneidenswerter?

Nun ist der Traum geplatzt und zurück bleiben viele ratlose Gesichter. Just zwei Tage nachdem sich das Luzerner Theater den Umzug in das neue Haus ausmalte, kam das Aus. Ein PR-Berater teilte mit, “sie” hätte sich aufgrund der unklaren Situation zurückgezogen. Sie in der Einzahl meinte hier die Gönnerschaft, die anonym gebliebenen Investoren. Kurz darauf wurde dann die Identität des “Hauptsponsors” doch noch endlich bekannt: es stammte aus dem Trust eines vestorbenen Mäzens. Die musikalischen Verwalter des Steuersparvehikels waren wohl unzufrieden, wie schleppend die Sache voranging. Aber das ist nicht weiter erstaunlich: Wer unaufgefordert ein derart grosses Geschenk bekommt, tut gut daran es genau zu prüfen. Einige Luzerner Entscheidungsträger halten zur Zeit trotzig an den Plänen fest, manche überlegen gar, ob rechtliche Schritte möglich wären. Aber ein Geschenk lässt sich nicht als Pflicht einfordern. Zumal es ja nie übergeben wurde, es lag immer nur auf dem Tisch. Da Luzern nach Meinung der Gönner nicht schnell genug alle Hebel in Bewegung setzte, um den neuen Multifunktionskasten hinzuklotzen, wird der grosse Startbatzen wieder eingepackt. Vielleicht haben sich die Grossinvestoren auch bloss verspekuliert, im wörtlichen oder im übertragenen Sinn. Es ist nicht das Schlechteste, was Luzern passieren konnte.

Mehr zum Thema im Regionaljournal Zentralschweiz (Radio DRS) oder im Zisch (Neue LZ).

Verwandte Beiträge: