Schlagwort-Archiv: Gewalt

Schuhtritte sind keine Lösung

Kürzlich sah ich Hans Fehr in Bern. Er stieg zufällig ins gleiche Tram ein, in dem ich schon fuhr. Mir fiel nicht ein, etwas anderes zu tun, als was ich ohnehin vorhatte: ich stieg bei der nächsten Station aus. Vor zwei Wochen sah er noch gut aus, nun wurde Fehr im Vorfeld der Albisgüetli-Tagung zusammen geschlagen. Die Täter aus dem Umfeld der Demonstration gegen die alljährliche SVP-Veranstaltung meinten vielleicht, das wäre eine sinnvolle Protestform gegen die von Fehr und seinen Parteikollegen geschürte Fremdenangst. Möglicherweise stehen die Täter mir also politisch näher als das Opfer. Dennoch finde ich die Aktion nur blöd und sie ist kontraproduktiv. Verprügelt man Fehr, dann verhilft ihm das nur tagelang zu gratis Medienpräsenz. Er steht als Opfer da und kann dadurch auf Sympathie zählen. Wer gewaltbereite Autonome oder Antifaschisten nicht von gewaltfreien Politikern unterscheiden kann, für den sind gleich alle Linken schuld. Die SVP zelebriert sich sowieso gern als Opfer, wahlweise der “Classe Politique”, aller anderen Parteien oder der angeblich linken Medien etc. Man kann die politischen Positionen von Fehr ablehnen (und das tue ich auch), aber der frühere Lehrer und heutige AunS-Geschäftsführer hat genauso wie alle andere Menschen das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit – auch wenn seine Partei oft Menschenrechte in Frage stellt, besonders für AusländerInnen. Die Auseinandersetzung mit den Leuten vom Albisgüetli kann man nicht mit Schuhtritten gewinnen, sondern nur durch bessere Argumente und an der Urne. Gewalt ist kein Mittel der Politik.

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Nutzlos und teuer?

Das Corpus delicti ist rechteckig, weiss und ca. 10×5 cm gross. Der Kleber schreit: “Nutzlos und teuer. Deshalb am 13. Februar 2011 NEIN zur Waffen-Initiative”. Aha, die Kampagne der Gegner hat also eingesetzt. Und wie immer wenn Not am Mann (und der Frau) ist, weil gute Argumente fehlen, dann kommt halt die Behauptung, die Neuerung würde viel kosten und nichts bringen. Doch die Initiative für den Schutz vor Waffengewalt (also genau genommen eine Antiwaffen- und sicher keine Waffen-Initiative) will vor allem und in erster Linie mehr Sicherheit.

Die Initiative verfolgt zwei einfache Hauptforderungen:

  • Sturmgewehre ins Zeughaus: Armeewaffen in Privatbesitz sind gefährlich, da sie bei Kurzschlusshandlungen zur Verfügung stehen (Suizide und Gewaltdelikte), aber auch als Drohung gegen Familienangehörige missbraucht werden können. Nach der Rekrutenschule oder dem Wiederholungskurs sollen die Waffen daher im Zeughaus bleiben. Dort sind sie sicher versorgt.
  • Waffenregister zur Verbrechensbekämpfung: Die Einführung eines zentralen Waffenregisters erleichtert der Polizei die Arbeit. Präventiv, da vor einem Einsatz bekannt ist, was an einem Ort für Waffen vorhanden sind. Und wenn ein Verbrechen geschehen ist, hilft das Waffenregister bei der Aufklärung. Wenn in der Schweiz jedes Auto, jede Kuh und jeder Hund registriert ist, warum dann bei gefährlichen Waffen eine Ausnahme?

Jedes Jahr kommen 300 Menschen durch Schusswaffen ums Leben. Das sind 300 zu viel. Studien zeigen: Je mehr Schusswaffen im Umlauf sind, desto öfter kommt es im Affekt zu Morden und Suiziden. Umgekehrt gilt auch: Weniger Waffen bedeuten mehr Sicherheit, tödliche Kurzschlusshandlungen können verhindert werden. So viel also zum Nutzen. Übrigens richtet sich die Initiative ausdrücklich nicht gegen Schützen, Jäger oder Personen, die berufsbedingt eine Waffe benützen dürfen. Dies ist weiterhin problemlos möglich. Die Kosten für die Schaffung des Waffenregisters sind relativ gering. Daher ist die klebrige Aussage “nutzlos und teuer” sicher falsch. Wie kann man vernünftiger Weise gegen mehr Sicherheit sein? Ein Blick ins Forum der Waffennarren zeigt es: Es spiele viele irrationale Ängste von Leuten, die glauben, mit einer Waffe seien sie sicherer vor Gewalt als ohne. Dabei verkennen sie, dass die Chance mit einem Tötungsinstrument bei Unschuldigen viel Leid auszulösen (und selbst Jahre hinter Gittern verbüssen zu müssen) viel höher ist als die Chance, mit der Waffe in der Hand ein Verbrechen zu verhindern. Darum am 13. Februar: JA zum Schutz vor Waffengewalt.

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