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Zuviel heisse Luft

Mit grossem Medienbrimborium präsentierte die SVP gestern ein neues Parteiprogramm oder vielleicht auch erst einen Entwurf dazu, so genau scheint sie das noch nicht zu wissen. Neben den üblichen Parolen im Bereich Europa (EU Nein), Ausländer (möglichst wenig und bitte nicht einbürgern) und Kriminalität (siehe Punkt 2) enthält es ein paar Pauschalaussagen zu anderen politischen Themen. Interessant ist der Positionsbezug zum Thema Umweltschutz. Chefideologe Christoph Mörgeli wiederholte dabei Sätze, die in ähnlicher Weise kürzlich schon von Toni Brunner geäussert wurden, als dieser seine Partei in der Coopzeitung als die eigentlichen Grünen, also die Umweltpartei, anpries. Gegenüber Radio DRS meinte Mörgeli:

“Da steht, wie man’s nicht macht. Und wir meinen, die Grünen haben schlechte Konzepte, die Grünen sind eigentlich genauso rot wie die Roten, während die Grünen nicht im Grünen wohnen. Im Grünen wohnen unsere Wähler, das sind die Umweltpraktiker in Wald und Forstwirtschaft, aber auch im Gewerbe, die eben tatsächlich sich um die Umwelt kümmern.”

Die Idee, man müsse im Grünen wohnen, um wirklich grün zu sein, d.h. sich für die Umwelt einzusetzen oder sich um sie zu sorgen, ist ziemlich krud. Man überlege sich mal, wie zersiedelt die Schweiz mittlerweile ist. Was ist daran grün, wenn man im Grünen weiterhin neue Ikeas, Aldis und Lidl hinstellt, wo man dann von der Stadt und vom Land her mit dem Auto anreisen muss? Es ist ja auch nicht so, dass die umweltschädlichsten Rostlauben und die unnützesten Panzer (Offroader) nur von Stadtbewohnern gekauft würden. In den Städten und Agglomerationen leben weit mehr Haushalte ohne eigenes Auto. Woher kommen alle motorisierten Fahrzeuge, die sich jeden Morgen und jeden Abend stadtein- und -auswärts stauen? Bestimmt nicht alle aus der Stadt selbst. Nein, auch von Landbewohnern, die gerne in einer schönen Landschaft leben, aber täglich zu den Arbeits- und Studierplätzen in den Städten pendeln.

Wohlgemerkt, ich will eine falsche Siedlungsentwicklung nicht allein der SVP anlasten. Aber ihre Umweltpolitik hat in den letzten Jahren nun wirklich nichts dazu beigetragen, auch nur ein Problem in diesem Bereich ernsthaft anzugehen: – Zersiedelung? Die Landschaftsinitiative aller Umweltverbände wird abgelehnt, die einen sorgfältigeren Umgang mit dem Boden fordert. Die SVP-Vertreter wehren sich auch gegen jegliche Vorschriften zum überbordenden Zweitwohnungsbau in Tourismusorten. – Klimaschutz? Fehlanzeige, die Herren wehren sich nicht nur gegen ein CO2-Gesetz, sondern bestreiten am liebsten weiterhin, dass es überhaupt einen menschgemachten Klimawandel gibt. – Förderung erneuerbarer Energien? Denkste, die SVP propagiert keine Energiewende, ignoriert selbst innovative Projekte aus den von ihr so gelobten Landregionen (wie z.B. Oil of Emmental), sondern verficht die Ideen von gestern: neue Atomkraftwerke und Erdöl so lange es nur geht.

Auf dem Hintergrund dieser Bilanz steht es der SVP schlecht an, die Grünen zu kritisieren. Es dürfte wohl klar sein, dass man nicht “im Grünen” wohnen muss, um ein Sensorium für die Umwelt zu entwickeln und sich für ihren Schutz einzusetzen. Es gibt sowohl auf dem Land als auch in der Stadt sehr umweltbewusst handelnde Menschen. Es gibt aber sowohl auf dem Land wie auch in der Stadt leider noch viel zuviele, die sich – sei es weil sie es nicht besser wissen oder ihnen das schlicht egal ist – um die Umwelt foutieren. Mit ihrer Politik bedient die SVP leider nur diese letzte Klientel. Unser wohlhabendes Land könnte viel mehr tun, um die weltweit nötige Energiewende zu schaffen. Die grösste Partei der Schweiz aber tritt auf die Bremse resp. aufs Gaspedal; sie produziert lieber heisse Luft und viel Abgas.

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Das obligatorische Auto

In Luzern läuft wieder die Aktion “Luzern – das freundlichste Geschäft”. Gesucht ist das freundlichste Geschäft, Wahlvolk sind die Konsumentinnen und Konsumenten. So weit, so gut. Es ist fürs Geschäft sicher nicht schlecht, wenn man sich bemüht, freundlich zu sein. Fürs Gemüt übrigens auch nicht.

Wie so oft wird die Sache mit ein paar Preisen verbunden, damit sich die Leute auch fleissig beteiligen, wie man es von ihnen wünscht. Und was ist der Hauptpreis? Einmal mehr ein Auto. Wie könnte es auch anders sein? Noch immer ist das offenbar das Symbol No. 1 für die Konsumreligion und so ist es kein Zufall, dass es als Hauptpreis vieler Wettbewerbe angepriesen wird. Der Anzeiger Luzern, Medienpartner der Aktion, zeigt gleich auf der ersten Seite seiner Ausgabe vom letzten Freitag das Gewinnobjekt, das nun angeblich so viel beachtet würde. Kein Wunder: Am Bahnhof würde man Züge erwarten und nicht ein Auto. Muss dieser mit Werbung und Anzeigen vollgeklebte weisse Peugeot 107 nun einen Monat lang ausgerechnet im Luzerner Bahnhof herumstehen?

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