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Nein zu neuen AKW

Neue AKWs dürften es schwer haben: Eine neue Umfrage zeigt, dass selbst die Solothurner Bevölkerung rund um das bestehende Kraftwerk Gösgen ein Neubauprojekt mehrheitlich ablehnt. Die Strategie der drei grossen Stromkonzerne, drei neue Atomkraftwerke an den bisherigen Standorten Gösgen SO, Mühleberg BE und Beznau AG zu forcieren, galt bisher als ziemlich clever. Diese Gemeinden haben sich an den Geldsegen gewöhnt und darum wird von der Einwohnerschaft wenig Opposition erwartet. Doch aus der Geschichte liesse sich lernen: Kaiseraugst ist auch nicht an der Bevölkerung von Kaiseraugst gescheitert, sondern an der breiten Protestbewegung dagegen, die ihren Anfang im Baselbiet nahm und nach der Besetzung des Geländes 1975 eine regelrechte Volksbewegung in der ganzen Nordwestschweiz auslöste.

Es ist mir ein Rätsel, warum selbst Mitte-Parteien, die von einem mittelfristigen Ausstieg aus allen nicht-erneuerbaren Energien sprechen, bedingungslos die Forderung der Stromkonzerne nach neuen AKWs unterstützen. Welchen Sinn ergibt es, jetzt 2 oder 3 Atomkrafte zu planen, sie nach einer langen Auseinandersetzung und einer enorm teuren Abstimmungskampagne und einem vermutlich knappen Volksentscheid vielleicht endlich bauen zu können, so dass sie ca. 2025 ihren Betrieb aufnehmen würden, wenn man gleichzeitig von einem Ausstieg um das Jahr 2040 herum spricht? Das glaubt doch keiner, dass man AKWs dann nach 15 Jahren abstellen würde.
Es ist ein Verwirrspiel und das Hauptargument lautet “Stromlücke”, was immer mit schönen Statistiken “bewiesen” wird. Aber solche Statistiken machen uns was vor: Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Da wird einfach vom bisherigen Verbrauch und der bisherigen Zunahme auf die künftige Entwicklung geschlossen. Doch es gibt kein Naturgesetz, das besagt, dass die Schweizer StromkonsumentInnen immer mehr Strom benötigten. Zudem gibt es einen internationalen Strommarkt; der Schweizer Strombedarf muss nicht zwingend aus der Schweiz gedeckt werden. Ich würde neben Wasserkraft neue erneuerbare Energie aus Biomasse, Solar- und Windkraft aus der Region für die Region zwar bevorzugen, aber im Zweifelsfall bevorzuge ich friesischen Windstrom oder österreichischen Solarstrom gegenüber Berner, Solothurner oder Aargauer Atomstrom.

Es gab schon immer viele gute Gründe gegen Atomkraftwerke. Die Technologie ist hochgefährlich und hat fatale Auswirkungen, dafür hätte es den Beweis in Tschernobyl nicht gebraucht. Hochseriöse Studien belegen, dass Kinder im Umkreis von Atomkraftwerke ein signifikant höheres Risiko haben, an Leukämie zu erkranken. Kinder sind ein guter Indikator, da ihr Körper sensibler auf Umweltbelastungen reagiert. Gibt es mehr Krebs bei Kindern, ist es sicher für niemanden besonders gesund. Im Zeichen des Klimawandels besteht die neue Lieblingsstrategie der Strommultis darin, uns Atomkraft als CO2-freie Technologie schmackhaft zu machen. Das ist Humbug, denn Atomenergie basiert auf Uran und das wird z.B. in Kanada, Australien oder Niger abgebaut – in einem schmutzigen und umweltbelastenden Prozess, unter dem die Bevölkerung ganzer Landstriche enorm leidet. Atomstrom ist nicht sauber. Ausserdem ist er auch nicht erneuerbar, denn Uran ist genau wie Benzin endlich. Die grosse Herausforderung unserer Epoche ist es aber nun mal, mit dem unablässigen Verbrauch von nicht-erneuerbarer und fossiler Energien aufzuhören und die globale Wirtschaft auf erneuerbare Energien umzustellen. Je früher, desto besser. Neue AKW stören den notwendigen Umbau nur. Deshalb bin ich ganz klar gegen neue Kraftwerke. Ich hoffe, dass eine Mehrheit der Berner Stimmbevölkerung das gleich sehen wie die Grünen – sie kann am 13. Februar über die Pläne für ein neues AKW Mühleberg befinden. Weitere Konsultativabstimmungen stehen bevor, aber der grosse landesweite Referendumskampf wird voraussichtlich erst 2013 statt finden.

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