Kategorie-Archiv: Wissenschaft

Nomen est omen

Neuer Plagiatsverdacht – diesmal betrifft es die Universität Fribourg. Ihr Vizerektor, ein Wirtschaftswissenschaftler, steht im Verdacht, mehrere Passagen aus anderen Arbeiten übernommen zu haben. Kein Wunder, ist man versucht zu sagen, bei diesem Namen: Philippe Gugler. Da hat wohl einer zu viel gegoogelt. Sicher erleichtert das Internet das Betrügen, andererseits können wissenschaftliche Betrügereien auch schneller entdeckt werden. Das Unrechtsbewusstsein fehlt zum Teil bei Schülern, Studierenden und selbst Uni-Mitarbeitern. Darum noch einmal in aller Kürze das Wichtigste: Wer plagiiert, schmückt sich mit fremden Federn, er betrügt das System, indem er fremde Denkleistungen als eigene ausgibt. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein schweres Vergehen. Wenn es an den Universitäten darum geht, durch wissenschaftliche Publikationen das eigene Fachwissen und -expertentum zu beweisen, dann muss dies zwingend immer auf eigenen Denkleistungen beruhen.

Man kann sich allenfalls fragen, ob die überhand nehmenden Plagiatsfälle nicht nur am Internet und einem neuen Volkssport, prominente Plagiatoren zu entlarven, liegen. Dann müsste die moderne Bologna-Universität genauer betrachtet werden. Nachwuchswissenschaftler stehen heute unter einem immensem Druck, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Publikationen zu erreichen. Da kommt es schon mal vor, dass eigene Texte mehrfach leicht verändert an verschiedene Zeitschriften gesandt werden. Solche Eigenplagiate würden unterbleiben, wenn bei Bewerbungen künftig (wieder) vermehrt auf Qualität geachtet würde statt bloss auf Quantität. Wer interessante Arbeiten schreibt und damit auf Zustimmung stösst, kann kein schlechter Wissenschaftler sein. Wer hingegen nur besonders viel publiziert, ist vielleicht fleissig, aber ist er auch ein guter Wissenschaftler? Und einige wenige sind sogar Plagiatoren: So kann man in schnellster Zeit viele Meriten einheimsen. Aber nachhaltig ist das nicht; früher oder später wird man damit entdeckt, tendenziell immer früher. Das müssen sich auch Juristen, Ökonomen und Politiker hinter die Ohren schreiben: Plagiate sind Unrecht und längerfristig nicht ökonomisch. Dass sie der politischen Karriere nicht zuträglich sind, durfte unlängst ein adliger Strahlemann erfahren.

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Zu hoch gepokert

Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gerät immer tiefer in den Schlamassel, seit die Unregelmässigkeiten bei seiner Dissertation durch eine Rezension in einer Fachzeitschrift publik wurden. Die ganze Affäre liess mich staunen: Wie ist es möglich, dass in Zeiten von Google das nicht früher aufgefallen ist? Arbeitet man so schlampig an der Universität Bayreuth, dass eine derart plagiatreiche Arbeit nicht nur angenommen, sondern sogar noch mit der Höchstnote “summa cum laude” bewertet wird? Guttenberg hat in der folgenden Affäre zu lange alles aussitzen wollen, was ihm recht bald den Spitznahmen “Selbstverteidigungsminister” eingetragen hat.* Dabei hat der Vorwurf an sich mit seinem politischen Amt nichts zu tun: Seine Funktion könnte er auch ohne Doktortitel ausüben. Verstrickt er sich aber nun in Lügen, dann wird es zunehmend eng für ihn.
* So nannte man übrigens für einige Zeit auch den Schweizer Militärminister Samuel Schmid, als er wegen dem untragbar gewordenen Armeechef Naef im Sommer 2008 in grosse Schwierigkeiten geriet.

Hätte Guttenberg von Anfang an die Fehler eingeräumt und auf seinen Doktortitel verzichtet, wäre er vielleicht mit einem blauen Auge davon gekommen. So aber ist sein Ruf arg ramponiert, vielleicht für immer. Das erfüllt all jene mit Schadenfreude, die den adligen Aufsteiger und Hoffnungsträger nicht mochten, in dem gewisse Medien (voreilig) schon den nächsten Kanzler sahen. Was hat er sich dabei gedacht? Es ist doch eigentlich klar, dass ein solcher Betrug früher oder später auffliegt. Zudem gilt das erst recht für einen derart prominenten und profilierten Autor. Natürlich ist Plagiat in der Wissenschaft kein Kavaliersdelikt und es ist in jedem Fall streng zu ahnden, ob es sich nun um einen Politiker oder irgendeine andere Person handelt. Die Vermutung drängt sich zudem auf, dass der vielbeschäftigte Jungstar der deutschen Politik die Disseration gar nicht selbst verfasst hat. Nachdem er nun auf den Titel zuerst vorübergehend und nun definitiv verzichtet, hält er jedoch weiterhin die Fiktion aufrecht, dass er sie selbst geschrieben hat. Vielleicht muss er das, denn ein gekaufter Doktortitel ist offenbar für seinen Ruf noch weit gravierender als eine wissenschaftlich hochgradig inkorrekte Arbeitsweise. Doktortitel können nicht gekauft werden; entweder hat man die Zeit und die Fähigkeiten, um eine Dissertation selbst zu schreiben oder dann lässt man es besser bleiben. Genauso wie Pseudo-Universitäten, die den Kauf von scheinbar anerkannten Qualifikationen ermöglichen (“Titelmühlen”), gehörten auch Doktorarbeit-Firmen eigentlich verboten.

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