Kategorie-Archiv: Verkehr

Keine 5. Röhre durch den Gotthard

Bisher verliefen alle Tests erfolgreich, im Juni wird der Basistunnel durch den Gotthard eröffnet. Damit gibt es bald vier Röhren unter dem Gebirgsmassiv. Das genügt, um den Güter- und Personenverkehr zwischen Nord und Süd speditiv abzuwickeln. Endlich kann der Volkswille umgesetzt werden: Transitgüter gehören auf die Schiene und nicht auf die Strasse.

Für den inländischen Verkehr stehen die Autobahn A2 sowie die Passstrasse bereit. Wenn der bestehende Tunnel saniert werden muss, ist die NEAT längst in Betrieb und wickelt den Grossteil des Güterverkehrs ab. Über die alte Bahnstrecke kann ein Autoverlad eingerichtet werden, wie er am Lötschberg tadellos funktioniert. So braucht es für eine relativ kurze Sanierungszeit keine zweite Röhre, die danach sehr teuer unterhalten werden muss.

Nein zur 2. GotthardröhreUm den sensiblen Alpenraum zu schützen, darf der Strassenverkehr nicht weiter zunehmen. Ohnehin würde viel Geld am falschen Ort eingesetzt. Denn nicht am Gotthard gibt es täglich am meisten Verkehr, sondern in den Zentren und Agglomerationen des Mittellands. Dort sind die beschränkten Mittel intelligent einzusetzen. Deshalb stimmen wir Nein zur zweiten Röhre.

Leserbrief im Willisauer Boten vom 22. Januar 2016 und in weiteren Zeitungen

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Fabi statt Abschottung

Die Befürworter der Volksinitiative gegen die «Massenzuwanderung» machen die in die Schweiz einwandernden Personen für alles verantwortlich: Neben Druck auf Löhne, Wohnungsnot und steigenden Sozialkosten nennen sie dabei oft die verstopften Strassen und die vollen Züge. Dass die Schweizer Wirtschaft seit Jahrzehnten ausländischen Arbeitskräften viel verdankt, wird völlig ausgeblendet. Eine einseitige Optik offenbaren auch die Klagen im Verkehrsbereich: Fahren denn etwa nur Ausländer in der Schweiz mit dem Auto oder dem Zug? Nein, die Mobilität hat allgemein zugenommen. Heute sind in der Schweiz wohnhafte Menschen, egal welcher Nationalität, mehr unterwegs als früher. Verschiedene Gründe begünstigen diese Entwicklung, die durchaus problematische Seiten hat: Viele ziehen nicht mehr dorthin, wo sie eine Arbeit finden, da es kaum mehr «Lebensstellen» gibt. In einem gemeinsamen Haushalt arbeiten mehrere Personen oft an verschiedenen Orten. In vielen Branchen wird aus einem grösseren Bewerberfeld das möglichst passende Profil für eine Stelle gewählt. So kommen St. Galler nach Luzern, Aargauer ins Bündnerland oder eben auch Bayern nach Zürich usw. Der Kreativität und dem Austausch ist es förderlich, wenn in Teams nicht alle denselben Hintergrund haben.

Es wäre falsch zu behaupten, die Personenfreizügigkeit sei perfekt. Um einen Lohndruck auf hiesige Arbeitskräfte zu vermeiden, wurde sie von Anfang an mit flankierenden Massnahmen ergänzt. Diese gilt es konsequent anzuwenden und wo nötig zu verstärken. Doch die Initiative möchte wegen mancher Probleme das ganze System der Personenfreizügigkeit einreissen, mit unabsehbaren Folgen für das Verhältnis der Schweiz zur Europäischen Union. Statt auf ein Wunder zu hoffen – dass 28 Staaten der EU der Schweiz bei neuen Verhandlungen vorteilhaftere Bedingungen gewähren (sozusagen eine Extrawurst) – täten wir besser daran, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Personenfreizügigkeit hausgemachte Probleme nicht verstärkt. Ein Schritt dazu war letztes Jahr das neue Raumplanungsgesetz, das die weitere Zersiedlung und Betonierung der Landschaft verhindern soll. Ein zweiter Schritt ist der Infrastrukturfonds FABI, der die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs dauerhaft sicherstellt. Wer zu «volle Züge» fürchtet, sagt besser Ja zu FABI als zur Abschottungsinitiative. Denn diese schafft nur grosse Unsicherheit. FABI dagegen ist ein gut ausgewogenes Gesamtpaket für den öffentlichen Verkehr. Wenn dieser attraktiv bleibt, ist dies auch für den Individualverkehr vorteilhaft: Jeder Pendler im Zug ist einer weniger, der die Autokolonnen in den Stosszeiten vergrössert.

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Überdimensionierter Parkplatz

Vor wenigen Monaten zog ich nach Willisau. Auch ein Grund war das gut erhaltene Städtchen mit den schönen Bauten und Brunnen. Allerdings wirkte es in diesem Sommer bizarr: Strassencafés mitten in einer Grossbaustelle. Inzwischen sieht es ganz anders aus: Strassencafés inmitten eines überdimensionierten Parkplatzes. In der Begegnungszone begegne ich vor allem Autos. So kommt die neue Gestaltung mit einigen gelungenen Elementen leider gar nicht zur Geltung.
Dabei wurde just am Eröffnungswochenende demonstriert, dass es auch anders ginge. Sind Autoverkehr und Parkplätze nötig für das Gewerbe? Ich denke nicht. Lust zum Flanieren und Verweilen kommt bei mir (und sicher auch vielen anderen) vor allem in autofreien Altstadt-Gassen auf.
Schade, dass das hier nicht möglich ist. Fahrende Autos gibt es auch anderswo, um sich Lärm anzuhören kommt niemand von auswärts her. Das neue Konzept ist bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss.

Als Leserbrief erschienen im Willisauer Boten vom 11. Oktober 2013

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Willisau und die Welt?

In der NZZ am Sonntag war kürzlich von sog. Hipstern zu lesen, die New York den Rücken kehren, um in entfernten Landstädtchen ihre Netzwerke des urbanes Lebens aufzubauen (PDF des Artikels). Auch in der Schweiz zeichneten sich erste solche Tendenzen ab, meinte der Autor des Artikels mit Bezug auf das Glarnerland. Bei mir/uns waren es klassische Gründe, die einen Wohnungswechsel nahe legten: Arbeiten und Wohnen sollten möglichst nahe beeinander sein, um den Pendelverkehr zu minimieren.

Künftig wird dieser Blog also statt in der Stadt Luzern hauptsächlich im schmucken Städtchen Willisau verfasst werden. Dadurch kann sich der Fokus gewiss etwas ändern, wobei ich schon zuvor fast nie über rein-städtische Angelegenheiten geschrieben habe. Und gemessen an nordamerikanischen Distanzen wären wir in Willisau immer noch mehr oder weniger in Luzern (in den entfernteren Suburbs gewissermasssen). Darum ändere ich den Titel des Blogs vorerst, der seit 2010 «Luzern und die Welt» lautete, ab in «Willisau, Luzern und die Welt». Nach wie vor wird es darin um Fragen rund um Geschichte, Politik und Gesellschaft gehen.

Baustellen verfolgen mich, wie ich immer wieder feststellen muss. In Rom war im August 2007 der Weg zur Wohnung meiner Gastfamilie gepflastert von Löchern für eine neue Metrolinie. Als wir den Sommer 2010 in Montpellier verbrachten, riss man dort ganze Strassenzüge auf, um neue Tramlinien zu installieren. Aber nicht nur auf Sprachreisen, sondern auch im Alltag wurde ich fleissig mit Baulärm versorgt: Kaum eingezogen im Luzerner Haldenquartier, begann die Überbauung der riesigen Nachbarparzelle. In Willisau wohne ich nun gegenüber einer Baustelle, die immerhin schon weit vorangeschritten ist. Willisau wird saniert Zugleich werden sämtliche Gassen im Städtchen saniert, damit ab Oktober die neue Begegnungszone noch besser erleb- und erfahrbar ist. Bei Tempo 20 sollen sich Fussgänger, Velo- und Autofahrer die Strasse teilen.

Wenn es nach mir ginge, dürften die drei Luzerner Landstädtchen Willisau, Sursee und Sempach ihr historisches Zentrum zwischen den beiden Toren auch gleich ganz autofrei erklären. Doch da sind die Widerstände offenbar noch zu gross. Von Seiten des Gewerbes fürchtet man Einnahmeausfälle. So ist eine Begegnungszone, wofür sich Willisau entschieden hat, wohl ein guter Kompromiss (und vielleicht der Zwischenschritt hin zu einer echten Flanierzone ohne jeden Autolärm). Ich freue mich jedenfalls auf viele Begegnungen, in diesem Blog, in den sozialen Medien und erst recht draussen im realen Leben. Geniesst den Sommer!

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