Kategorie-Archiv: Umwelt

Weg mit den Rasenmähern!

Im Frühling sind sie wieder überall: die lauten Töfflis und Roller. Mich ärgert als Velofahrer, dass sie zunehmend als Trittbrettfahrer von einem besser ausgebauten Radwegnetz profitieren. Dieses Netz wird doch zur Förderung des Langsamverkehrs und ökologischer Fortbewegungsweisen erstellt. Töfflis aber sind mit Sicherheit nicht ökologisch, nur langsam! Die meisten Töfflis sind gerade genug schnell, um mich auf dem Fahrrad zu überholen. Meist ruckeln sie dann aber nicht schneller vor mir hin und blasen mir ihr giftiges Abgas ins Gesicht. Ich finde, dass sich das bald ändern sollte. Nicht betroffen von meinem Anliegen sind die schnelleren Motorräder, die heute schon die Hauptspuren der Strasse benutzen müssen und sich auch daran halten.

Oft genug sind Radwege in der Schweiz nur abgetrennte Streifen auf viel befahrenen Strassen. Aber immerhin ermöglichen diese Randstreifen das Fortkommen – gerade auch dann, wenn der motorisierte Individualverkehr sich morgens und abends im städtischen Raum durch lange Staus blockiert. Wer jedoch von diesen Vorteilen des Radwegs profitieren möchte, die auch gebaut wurden, um die nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmer zu schützen, sollte selbst ein ökologisches Fahrzeug benutzen. Es kann doch nicht sein, dass der Staat zur Förderung des nicht-motorisierten Individualverkehrs ein Radwegnetz erstellt, auf dem dann die Velofahrenden von motorisierten Zweirädern belästigt, verdrängt und verpestet werden. „Rasenmäher“ haben auf Schweizer Strassen nichts zu suchen, schon gar nicht auf Radwegen und Velostreifen! Ich lade alle Umweltverbände und Grünen aller Richtungen ein, sich Gedanken zu machen, wie wir endlich die doofen Töfflis von den Radwegen wegbringen. Alle Vorschläge willkommen.

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Tsch….shima

Ich publiziere meinen 100. Artikel in diesem Blog und widme ihn dem 26. April 1986. An jenem Tag vor 25 Jahren explodierte im ukrainischen Tschernobyl ein Atomkraftwerk. Zur Erinnerung an das schwere Unglück erschienen in den letzten Tagen eine Reihe von eindrücklichen Artikeln. Sie dokumentierten die verzweifelten Versuche der Techniker, das Unglück abzuwenden, das schreckliche Schicksal der betroffenen Liquidatoren, Einwohner der evakuierten Stadt Pripyat und vieler anderer Nachgeborenen. Noch heute ist die Gegend im Grenzgebiet der Ukraine zu Weissrussland hochradioaktiv verseucht, viele Kinder sind seit ihrer Geburt krank. Geschäftemacher vermarkten Tschernobyl inzwischen als Stätte eines makabren Gruseltourismus.

Den 25. Jahrestag des schweren Zwischenfalls, der die verheerenden Folgen der Atomtechnologie vor Augen führte, wäre sowieso weltweit begangen worden. Mit dem Unglück in Fukushima, das nach dem schweren Erdbeben mit Tsunami vom 11. März 2011 seinen Anfang nahm, erhielt das Tschernobyl-Gedenken noch zusätzliche Dringlichkeit. Jede billige Ausrede, dass es sich bei Tschernobyl halt um sowjetischen Pfusch gehandelt habe, fällt dahin. Es zeigt sich, dass im Fall eines Unglücks auch ein hochtechnisiertes Land wie Japan nicht besser mit dem Super-GAU umzugehen weiss. Auch in Japan war lange unklar, wie schlimm es um die Anlage steht und was zu tun wäre. Sicher ist inzwischen, dass Radioaktivität in grösseren Mengen ausgetreten ist und die Lage noch immer nicht unter Kontrolle ist. Betroffene Gebiete könnten wie in der Ukraine für Jahrhunderte verstrahlt sein, mit immensen Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen. Im Übrigen könnte das massenweise ins Meer gekippte radioaktive Wasser möglicherweise das sensitive maritime Ökosystem in Mitleidenschaft ziehen.

Wieviel Risiko sind wir bereit einzugehen für die «Sicherheit unserer Stromversorgung»? So nennen das die sog. “verantwortungsbewussten” Politiker neustens. Der Atomlobby ging es immer nur um möglichst billigen Strom. Billig, da man die schlimmen Folgen im Katastrophenfall ausblendete, für die dann sowieso der Staat und die Gesamtbevölkerung aufkommen müssten. Angesichts der Bilder aus Tschernobyl und Fukushima sollte man endlich diese Politik überdenken. Billig ist dumm.

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Unnötige Separatverteilung

Seit der Anzeiger Luzern dem hiesigen Medienmonopolisten gehört und im neuen Kleid erscheint, lässt er sich noch schneller durchlesen. Viel ist wirklich nicht mehr drin: ein paar Fotos von irgendeinem Luzerner Anlass, ein paar Filmtipps und zwei engagierte Meinungen, garniert mit ganz viel Werbung. Noch am ehesten lesbar sind die zwei Stadtseiten, die mehr oder weniger offizielle Nachrichten der Stadt Luzern enthalten, manchmal aber auch kurze geschichtliche Beiträge. Ich denke, für die allermeisten Einwohnerinnen und Einwohner ist es einerlei, ob sie dieses Blättchen am Dienstag abend oder erst am Mittwoch morgen in ihrem Briefkasten vorfinden.

Schon länger störe ich mich daran, dass der Anzeiger am Abend zuvor separat an alle Haushalte verteilt wird. Wenn es wenigstens Velokuriere wären. Aber nein, es müssen natürlich stinkende Töfflis sein, die mehrere Stunden durch die ruhigen Quartierstrassen lärmen und dabei gehörig Abgas in die kalte Luft blasen! Und wofür das Ganze? Für einen magersüchtigen Anzeiger ist das doch ein viel zu grosser Aufwand. Warum kann der Anzeiger nicht mit der normalen Post kommen? Das einzig Positive ist nun, dass der Anzeiger Luzern inzwischen offenbar nur noch einmal pro Woche erscheint. Das aufgedruckte Datum ist der Mittwoch, aber er wird immer am Dienstag abend verteilt. Wie lange hält man noch an diesem unökologischen Blödsinn fest?

P.S. Ich warte darauf, dass auch die Post endlich auf eine umweltfreundlichere Verteilung umstellt. Vor einiger Zeit las ich von einem initiativen Briefträger, der die Post mit dem Solarmobil austrägt – er musste das Gefährt selbst bezahlen!

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Nein zu neuen AKW

Neue AKWs dürften es schwer haben: Eine neue Umfrage zeigt, dass selbst die Solothurner Bevölkerung rund um das bestehende Kraftwerk Gösgen ein Neubauprojekt mehrheitlich ablehnt. Die Strategie der drei grossen Stromkonzerne, drei neue Atomkraftwerke an den bisherigen Standorten Gösgen SO, Mühleberg BE und Beznau AG zu forcieren, galt bisher als ziemlich clever. Diese Gemeinden haben sich an den Geldsegen gewöhnt und darum wird von der Einwohnerschaft wenig Opposition erwartet. Doch aus der Geschichte liesse sich lernen: Kaiseraugst ist auch nicht an der Bevölkerung von Kaiseraugst gescheitert, sondern an der breiten Protestbewegung dagegen, die ihren Anfang im Baselbiet nahm und nach der Besetzung des Geländes 1975 eine regelrechte Volksbewegung in der ganzen Nordwestschweiz auslöste.

Es ist mir ein Rätsel, warum selbst Mitte-Parteien, die von einem mittelfristigen Ausstieg aus allen nicht-erneuerbaren Energien sprechen, bedingungslos die Forderung der Stromkonzerne nach neuen AKWs unterstützen. Welchen Sinn ergibt es, jetzt 2 oder 3 Atomkrafte zu planen, sie nach einer langen Auseinandersetzung und einer enorm teuren Abstimmungskampagne und einem vermutlich knappen Volksentscheid vielleicht endlich bauen zu können, so dass sie ca. 2025 ihren Betrieb aufnehmen würden, wenn man gleichzeitig von einem Ausstieg um das Jahr 2040 herum spricht? Das glaubt doch keiner, dass man AKWs dann nach 15 Jahren abstellen würde.
Es ist ein Verwirrspiel und das Hauptargument lautet “Stromlücke”, was immer mit schönen Statistiken “bewiesen” wird. Aber solche Statistiken machen uns was vor: Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Da wird einfach vom bisherigen Verbrauch und der bisherigen Zunahme auf die künftige Entwicklung geschlossen. Doch es gibt kein Naturgesetz, das besagt, dass die Schweizer StromkonsumentInnen immer mehr Strom benötigten. Zudem gibt es einen internationalen Strommarkt; der Schweizer Strombedarf muss nicht zwingend aus der Schweiz gedeckt werden. Ich würde neben Wasserkraft neue erneuerbare Energie aus Biomasse, Solar- und Windkraft aus der Region für die Region zwar bevorzugen, aber im Zweifelsfall bevorzuge ich friesischen Windstrom oder österreichischen Solarstrom gegenüber Berner, Solothurner oder Aargauer Atomstrom.

Es gab schon immer viele gute Gründe gegen Atomkraftwerke. Die Technologie ist hochgefährlich und hat fatale Auswirkungen, dafür hätte es den Beweis in Tschernobyl nicht gebraucht. Hochseriöse Studien belegen, dass Kinder im Umkreis von Atomkraftwerke ein signifikant höheres Risiko haben, an Leukämie zu erkranken. Kinder sind ein guter Indikator, da ihr Körper sensibler auf Umweltbelastungen reagiert. Gibt es mehr Krebs bei Kindern, ist es sicher für niemanden besonders gesund. Im Zeichen des Klimawandels besteht die neue Lieblingsstrategie der Strommultis darin, uns Atomkraft als CO2-freie Technologie schmackhaft zu machen. Das ist Humbug, denn Atomenergie basiert auf Uran und das wird z.B. in Kanada, Australien oder Niger abgebaut – in einem schmutzigen und umweltbelastenden Prozess, unter dem die Bevölkerung ganzer Landstriche enorm leidet. Atomstrom ist nicht sauber. Ausserdem ist er auch nicht erneuerbar, denn Uran ist genau wie Benzin endlich. Die grosse Herausforderung unserer Epoche ist es aber nun mal, mit dem unablässigen Verbrauch von nicht-erneuerbarer und fossiler Energien aufzuhören und die globale Wirtschaft auf erneuerbare Energien umzustellen. Je früher, desto besser. Neue AKW stören den notwendigen Umbau nur. Deshalb bin ich ganz klar gegen neue Kraftwerke. Ich hoffe, dass eine Mehrheit der Berner Stimmbevölkerung das gleich sehen wie die Grünen – sie kann am 13. Februar über die Pläne für ein neues AKW Mühleberg befinden. Weitere Konsultativabstimmungen stehen bevor, aber der grosse landesweite Referendumskampf wird voraussichtlich erst 2013 statt finden.

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The end of capitalism as you know it

Bei meiner Arbeit habe ich ziemlich viel mit Geisteswissenschaftlern zu tun, seltener auch mit Juristen oder Theologen. Kaum je aber mit Naturwissenschaftlern, was sehr schade ist. Denn es ist äusserst spannend und fruchtbar, Probleme interdisziplinär anzugehen, die verschiedenen Sichtweisen zusammen zu führen. Über Umweltschutz habe ich zum Beispiel schon viel nachgedacht und diskutiert. Dabei geht es oft darum, was man tun kann. Die üblichen zwei Antworten sind in der Regel: Steuerung, Gebote, Verbote, Verpflichtung (klassische Politik) oder dann Lenkungsmassnahmen (die neo- oder grünliberale Variante). Manchmal heisst es auch ziemlich pauschal, aber wohl nicht ganz falsch, dass das gegenwärtige Wirtschaftsmodell und Umweltschutz schlecht verträglich sind.

Die Diskussion mit einem Naturwissenschaftler heute nachmittag zeigte mir weitere Ideen auf, die durchaus schon erprobt sind. Unsere Ökonomie basiert ja auf Verschleiss und dauernder Neuproduktion, ist eigentlich also in vielen Bereichen eine Wegwerfproduktion. Aber man kann den Konsumenten ziemlich wenig Vorwürfe machen, wenn sie die Dinge ersetzen statt sie zu reparieren, wenn die Stückkosten sinken, während die Lohnkosten unablässig steigen. Allerdings ist das ein völlig unverantwortlicher Umgang mit Material und damit den Ressourcen dieses Planeten, die nicht unendlich vorhanden sind. In den Umwelt- und Naturwissenschaften operiert man zunehmend mit neuen Kenngrössen, um Ökologie resp. Nachhaltigkeit zu messen: Stichwort Materialeffizienz. Es ist eine neue Ökonomie anzustreben, die den Wert der Ressourcen ganz einbezieht. Das vielgehörte Bonmot, man müsse “dem Umweltschutz einen Preis geben”, ist noch nicht zu Ende gedacht. Es genügt nicht, wenn z.B. die Verschmutzung der Umwelt ein bisschen was kostet und damit sogar noch ein neues Geschäftsfeld für Finanzspekulanten entstehen soll (Emissionszertifikate).

Nachzudenken ist über radikal neue Wege der Ökonomie und der Geschäftsmodelle selbst. Weg vom alten System, das zu unablässiger Überproduktion und Billigkonsum führt, hin zu einem neuen System, das die Langlebigkeit der Güter anstrebt. Wie das? Z.B. durch Miete statt Kauf, statt Computer zu kaufen, könnte man auch Rechenleistung mieten. Oder statt ein Velo zu kaufen, abonniere ich vielleicht in Zukunft Mobilität im abstrakten Sinn. Nein, das ist keine Utopie. Es geschieht bereits, nur hört man noch zu wenig davon. Ein Beispiel: Der französische Konzern Michelin liefert der US-Armee nicht die Reifen, sondern stellt ihr nur deren Nutzen zur Verfügung. Die Reifen gehören weiterhin Michelin, das Pentagon nutzt sie bloss. Logisch, dass da Michelin kein Interesse daran hat, massenhaft Reifen zu produzieren und zu verkaufen, sondern möglichst gute und langlebige Reifen zur Verfügung stellen will. Wahrscheinlich entsteht gerade etwas fundamental Neues. Ob man das Kind dann einmal Kapitalismus 2.0/3.0, Postkapitalismus oder sonst irgendwie bezeichnet, ist noch unklar. Hauptsache, es kommt rechtzeitig zum Funktionieren. Die gegenwärtige Verschleissökonomie kann angesichts schrumpfender Ressourcen (Peak Oil etc.) sowieso nicht auf Dauer aufrecht erhalten werden, mit zunehmender Weltbevölkerung und aufstrebenden Schwellenländern erst recht nicht. Das globale Wirtschaftssystem wird sich wohl noch stark verändern. Die Zukunft hat bereits begonnen.

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