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Olympia – nein, danke

Ueli Maurer ist momentan stark präsent in den Medien. Nach anfänglicher Zurückhaltung vergeht inzwischen kein Tag, an dem man nicht daran erinnert wird, dass nun er für die SVP im Bundesrat sitzt. Neben den üblichen Negativ-Nachrichten – kein Geld, Sinnkrise der Armee, schlechte Ausrüstung, unklare Abläufe etc. – sprach er an diesem Wochenende über die angenehmere Rolle als Sportminister. Dabei soll er u.a. die Idee einer Schweizer Olympiakandidatur ventiliert haben. Gemäss seinen Informationen interessiert sich z.B. Andermatt dafür. Olympische Spiele - nein, danke.In Andermatt wusste man von nichts. Aber im Tessin war Filippo Lombardi gleich Feuer und Flamme. Er meinte, das wäre die beste Werbung für die Gotthardregion, mehr noch als die 2017 anstehende Eröffnung des Gotthard-Basistunnels. Oje, da ist er wieder: der aufgeregte Event-Patriotismus, der uns schon die Euro 08 eingebrockt hat. Manche Leute scheinen zu glauben, dass man nur mittels Ausrichtung internationaler Grossereignisse die Welt auf sich aufmerksam machen kann. Zu welchem Ziel eigentlich? Ist doch klar: Touristen ins Land holen, mehr Übernachtungen, mehr Geld, gerade jetzt wo das Bankgeheimnis abgedankt hat.

Die Idee ist nicht neu. “Hopp Schwiiz!” sang Polo Hofer schon 1984 – die Fussballhymne war eigentlich als Protestsong gegen Ogis Idee von Olympischen Spielen im Berner Oberland gemeint. Mittlerweile Bundesrat geworden, weibelte Ogi dann in den 90er-Jahren für eine Walliser Kandidatur. Aus Sion 2002 wurde allmählich Sion 2006 und dieses scheiterte dann in der Endausscheidung knapp gegen Turin. Danach dachte ich eigentlich, die Sache wäre nun für eine Weile erledigt. Doch es folgten auch noch die Projekte Bern 2010 und Davos 2010, die nicht weit kamen.
Spiele in der Schweiz wären im Übrigen aber keine Premiere: Bereits 1928 fanden in St. Moritz die 2. Olympischen Winterspiele statt und nach dem Zweiten Weltkrieg 1948 die 5. nochmals am gleichen Ort.

Gründe gegen Olympische Spiele im 21. Jahrhundert gibt es viele, die wichtigsten:
Die Spiele waren noch nie rentabel für ein Austragungsland (ausser evtl. Atlanta 96), sie sind es höchstens für das IOC und die Sponsoren. Trotz allem Gerede von angeblich “grünen Spielen” gab es noch keine umweltverträgliche Olympiade. Nicht nur die sehr populären Sommerspiele, sondern auch die Winterspiele sind inzwischen ein derart grosser Megaevent, den man schon ganz grundsätzlich niemals umweltgerecht und nachhaltig ausrichten kann – man denke nur schon an die Transporte. Zudem werden für Olympische Spiele in der Regel massenhaft Gebäude und Anlagen gebaut, die nachher selten oder nie gebraucht werden. Noch fast jede Austragungsstätte von Olympischen Spielen sass am Schluss auf einem Riesenberg Schulden (Athen 2004 trug auch zur Griechenland-Krise 2010 bei) sowie überdimensionierten und nicht ausgelasteten Anlagen.

Der Gotthardregion geht es ohne Olympia-Zirkus besser. Und Ueli Maurer soll besser die Armee fertig abschaffen, als von einem internationalen Grossereignis zu träumen. (Das passt auch gar nicht zur SVP.)

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