Ecopop bringt nichts

Nein zu EcopopAbgesehen von zwei bis drei Personen im Initiativkomitee lehnen fast alle Grünen die Ecopop-Initiative klar ab, im Kanton Luzern erfolgte die Parolenfassung einstimmig. Verlust an Kulturland, Zersiedlung, Luftverschmutzung und weitere Umweltprobleme sind eine Folge des hohen Ressourcenverbrauchs. Um das anzugehen, braucht es eine kluge Umweltpolitik. Die Ecopop-Initiative dagegen propagiert eine Scheinlösung, die gefährlich und unmenschlich ist. Sie ist gefährlich, da eine strikte Beschränkung der Zuwanderung viele Probleme schafft. Tag für Tag müssten noch mehr Arbeitskräfte über die Grenze pendeln, was der Umwelt nichts bringt. Die Schweiz würde sich international isolieren, in der Wirtschaft und der Wissenschaft Innovationen abgewürgt. Sie ist unmenschlich, da sie Migrantinnen und Migranten zu Sündenböcken für hausgemachte Probleme stempelt. Überdies untergräbt sie die Glaubwürdigkeit unserer Entwicklungszusammenarbeit mit einem neokolonialistischen Ansatz. Es geht nicht an, sich anderswo in die Familienplanung einzumischen. Die Initiative bringt nicht nur nichts, sondern schadet der Schweiz massiv. Darum Nein zu Ecopop.

Erschienen im Willisauer Boten vom 18.11.2014

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5 Gedanken zu „Ecopop bringt nichts

  1. David Arnold

    Die Haltung der Grünen-Partei enttäuscht mich als Grüner-Wähler sehr. Die Grünen haben zwar die Initiative “für eine grüne Wirtschaft”. In der Realität heisst das aber:
    a) Konsum-Verzicht für die Bevölkerung
    womit also
    b) die Grüne-Wirtschaft-Initiative mit massivem Nein an der Urne vom Stimmvolk versenkt werden wird.

    Das ist absehbar. Und was haben wir dann, falls es ein Nein zu Ecopop geben sollte?
    Dann haben wir gar nichts in Richtung Nachhaltigkeit. Die Bevölkerung steigt weiter an, Energie- und Rohstoffverbrauch ebenso.

    Diese kurzsichtige Haltung der Grünen (gegen Ecopop) enttäuscht mich deshalb sehr.

    Ohne die Gesamtsicht
    Gesamtverbrauch = VerbrauchProPerson x AnzahlPersonen
    werden wir den ausufernden Verbrauch nicht in den Griff bekommen.

    1. Raffael Artikelautor

      Danke für den Kommentar. Es ist klar, ganz allen kann es eine Partei nicht Recht machen. Die überwiegende Mehrheit der Grünen-Wähler wird aber Nein zu Ecopop stimmen. Da bin ich sicher und das wird die Vox-Analyse später zeigen.

      Ich streite nicht ab, dass der “Gesamtverbrauch” (von Boden, Ressourcen und Energie etc.) auch von der Zahl der Personen abhängt. Das Problem in Ihrer bzw. der Ecopop-Argumentation liegt darin, die Schweiz völlig isoliert zu betrachten. Statt den “ausufernden Verbrauch” durch Umweltpolitik und eine griffige Raumplanung anzugehen, wollen Sie einfach weniger Menschen. Die verbleibenden Schweizer und Inländer hingegen dürfen weiterhin viel Land, Ressourcen und Energie verbrauchen. Und jeder Schritt in eine andere Richtung wird mit der Keule “Konsum-Verzicht” bekämpft, dabei ist weniger oft auch mehr. Beispiel AKW abstellen: weniger Stromverschwendung, weniger Strahlung, mehr Sicherheit, mehr Lebensqualität.

      Unsere Initiative für eine grüne Wirtschaft wirkt bereits. Das Problem ist erkannt, dass sich aus verschiedenen Gründen ein zu hoher Ressourcenverbrauch ergeben hat. Das können wir korrigieren mit einem Bündel von Massnahmen, so dass die Fehlanreize schwinden. Ein Gegenvorschlag zur Initiative liegt zur Zeit bei den eidgenössischen Räten. Je nachdem, was dabei herauskommt, gibt es eventuell keine Abstimmung oder eine Doppelabstimmung mit Stichfrage. So oder so, bleiben wir Grünen dran. Denn wir wollen eine umweltgerechte, aber auch eine global solidarische Schweiz.

      1. David Arnold

        “Grüne Wirtschaft” alleine kann das Problem nicht mehr beheben. Das Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte war viel zu gross:
        Grafiken Bevölkerungswachstum

        Die Überlegung des Durchschnittsbürgers ist vorhersehrbar, wenn dann die “Grüne Wirtschaft” zur Abstimmung kommt: Weil “Ecopop” abgelehnt wurde, wächst die Bevölkerung munter weiter, aber damit wir in der Schweiz den Ressourcen-Verbrauch stabilisieren können, soll ich nun den Gürtel enger schnallen.
        Der Durchschnittsbürger sagt sich dann “ich bin doch nicht blöd” und versenkt die “Grüne Wirtschaft” mit einem NEIN.

        1. Raffael Artikelautor

          Es ist überhaupt nicht gesagt, dass das Bevölkerungswachstum “munter weiter” geht. Bei gesellschaftlichen Entwicklungen folgten auf Aufwärts- immer auch wieder Abwärtsbewegungen. Da lagen bisher alle Trendextrapolationen daneben. Überdies wurde am 9. Februar bereits ein Zeichen gesetzt. Ich begrüsse es sehr, wenn jetzt Massnahmen vorangetrieben werden, um das inländische Potenzial besser zu nutzen – etwa indem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärker gefördert und der Fehlanreiz zum Verzicht auf ein zweites Einkommen beseitigt wird. Und wir sollten auch mehr Ausbildungsplätze in der Medizin etc. schaffen, auch wenn es etwas kostet.

          Wie ich schrieb, löst die Initiative für eine grüne Wirtschaft bereits einiges aus. Ich bin gespannt, wie es da weitergeht. Aber wir fassen unsere Parole zu einer aktuell anstehenden Initiative nicht mit taktischen Überlegungen zu späteren Vorlagen.

          Am 30. November dürfen wir uns konkret zur Ecopop-Initiative äussern. Und da stimme ich Nein, egal was der “Durchschnittsbürger” (wer denn wohl definiert?) dazu vielleicht meint. Denn ich bin klar dagegen, in der Bundesverfassung eine fixe Zuwanderungsquote und eine fragwürdige Mittelbindung der Entwicklungszusammenarbeit zu verankern.

          1. David Arnold

            “Aber wir fassen unsere Parole zu einer aktuell anstehenden Initiative nicht mit taktischen Überlegungen zu späteren Vorlagen.”
            Ja, wie wahr gesagt, das ist genau die Tragödie der Grün-Ökologisch-Denkenden. Ohne Taktik und ohne Masterplan unterwegs, so ist man von Blocher & Co leider schnell ausgespielt…

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