Da fällt in ganz Zürich der Strom aus – und alle freuen sich, dass mal der Blick am Abend nicht erscheint. Und ist es kalt im ganzen Land, wird sofort vor Blackouts gewarnt. Dies nur zwei Beispiele aus jüngster Zeit – ok, topaktuell bin ich heute nicht. Was ist es nur mit der “elektrischen Kraft”, das sie so unwiderstehlich wichtig macht? Noch ein bisschen mehr als auf den motorisierten Blechkisten scheint unsere Zivilisation darauf zu basieren, dass jederzeit und überall Strom aus der Dose kommt. Ja, es geht nicht ohne. Davon sind wir abhängig, haben wir uns abhängig gemacht. Soweit, so gut oder schlecht, je nachdem. Man ist sich einfach ein hohes Niveau gewöhnt, eine mehr oder weniger pannenfreie Stromversorgung (die wenigen Ausnahmen zeigen dies ja nur, sie bestätigen die Regel).
Achtung, mit dieser Kommunikationsstrategie wird eventuell bereits das Terrain vorbereitet, um den Atomausstieg doch noch zu verhindern oder ihn zu verwässern. Bereits können Stromlobbyisten unwidersprochen behaupten, ohne Gaskraftwerke sei der Umstieg in die erneuerbare Zukunft nicht zu schaffen. Und warum denn nicht? Weil der Strom nicht teurer werden darf, das ist ein Dogma. Die liberale Wirtschaft baut darauf, dass die halbstaatlichen oder staatlichen Unternehmen gefälligst billigen Strom liefern. Seit Jahrzehnten bietet darum die Elektrizitätswirtschaft relativ günstigen Strom an, das gilt als Standortfaktor der Schweiz. Dafür mussten ganze Landschaften Platz für Stauseen machen und fünf Atomkraftwerke wurden hochgezogen. Doch Hand aufs Herz: Wissen Sie, wieviel Sie für den Strom bezahlen pro Jahr? Gut. Und angenommen, es wäre nun ein paar Franken teurer. Hängt unser Wohlstand wirklich davon ab, ob der Strom nun für den Privatkunden 17 oder 20 Rp. pro kWh kostet – oder 13 statt 11 Rp. für ein Unternehmen? Ich glaube es nicht.
Strom darf einen Preis haben, soll etwas kosten, denn die Produktion ist ja auch nicht kostenlos. Erst wenn man sich bewusst wird, dass es ein wertvolles Gut ist, dass nicht gratis und franko in der Dose entsteht, wird man sparsamer damit umgehen. Und wenn Strom (wie auch Transporte) einen vernünftigeren Preis haben, wird die Effizienz gesteigert. Vielleicht werden gar die idiotischsten Stromfressereien vielleicht ein bisschen weniger oft benutzt. Das erfordert allerdings ein gesellschaftliches Umdenken. Und das war noch immer schwierig.
