Archiv für den Monat: Oktober 2011

Liberal – und hoffentlich auch grün

Die Grünliberalen räumen ab, wahrscheinlich ziehen sie nicht nur mit 7 (wie erhofft), sondern mit 11-12 Mandaten in den Nationalrat ein. Eine eigene Fraktion haben sie auf sicher, ebenso die BDP. Wenige Wählerprozente können mit geschickten Allianzen zu einigen Sitzen führen – die vielen Bündnisse von CVP, BDP und glp halfen nun offenbar vor allem den Neulingen.

Das weinende Auge: Schade ist, dass ein Teil des grünliberalen Erfolgs auf Kosten der Grünen geht. Besonders schmerzen die Abwahlen von bestandenen Politikern. Bedauerlich, dass Jo Lang in Zug, Birgit Wyss in Solothurn und noch andere ihren Sitz verlieren. Sympathiestimmen aus der Mitte für grüne Anliegen gingen diesmal an die glp. Die mehrfache ‘Gewinnwarnung’ für das “KMU” (Bäumle über die Grünliberale) tat ihr Übriges. Manche gehen lieber mit den Gewinnern, den Neuen, den Coolen. Wenige Prozent weniger Wählerstimmen können viel ausmachen – vor vier Jahren profitierten die Grünen in einigen Kantonen von der Niederlage der SP und hatten noch viel Glück. Diesmal verlieren sie offenbar gerade die weniger sicheren Sitze wieder.

Nun gibt es zwei fast gleich grosse Gruppen Grüne & Grünliberale unter der Bundeshauskuppel. Das hat auch sein Gutes: In den nächsten vier Jahren werden wir sehen, wie die Grünliberalen sich positionieren. Sie können sich nicht mehr im Zweifelsfall hinter der grossen CVP-EVP-glp-Fraktion verstecken. Ich hoffe, sie sind wirklich auch GRÜN und nicht nur liberal – und verstehen unter letzterem nicht bloss Steuern senken und Staatsabbau. In vier Jahren können die Schweizerinnen und Schweizer dann entscheiden, wer ihnen besser gefällt: das grüne Original oder die hellgrüne Neuerung.

Das lachende Auge: Mich freut, dass die SVP einige Mandate verliert. Weil sie ganz alleine antrat – ohne Allianzen mit der FDP (wie 2007) und nachdem sie den BDP-Teil hinauswarf – erstaunt es eigentlich gar nicht so. Aber doch ist es überaus erfreulich, nach 16 Jahren mit dauernden Gewinnen. Es tut gut, wenn die selbsternannten Patrioten begreifen, dass auch für sie die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Schweizer wählen eben auch andere Parteien.

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