Schweiger geht, Theiler klebt

Der Zuger Ständerat Rolf Schweiger (66) hat nach 12 Jahren genug und tritt im Herbst nicht mehr zu den Neuwahlen an. Er klagt, in der Schweizer Politik gehe es momentan irrational zu, gibt aber (vorderhand) keine Auskünfte. Effektiv war der Atomlobbyist Schweiger das Haupthindernis für ein Wahlbündnis von CVP, FDP und Grünliberalen. Aber es wäre besser, wenn dies auch jetzt unterbleibt. Wenn die Grünliberalen durch eine solche Allianz dazu beitragen, dass Jo Lang – einer der bekanntesten Grünen Politiker der Deutschschweiz – die Wiederwahl verpasst, dann streichen sie das Grün besser gleich ganz aus ihrem Namen. Schweiger tritt also ab und ermöglicht einen Wechsel. Anderswo hätte er nach drei Legislaturen sowieso gehen müssen oder bräuchte eine Zweidrittelsmehrheit; in Zug gab es offenbar starken internen Druck, der seine Wirkung tat. Im Prinzip genügen 12 Jahre, Sesselkleber sind in keiner Partei beliebt. Sie stehen zu lange im Rampenlicht und hindern Nachwuchskräfte, bekannt zu werden.

Und bei uns – im Kanton Luzern? Hier war als neuer FDP-Kandidat lange der abtretende Regierungsrat Max Pfister im Gespräch. Dieser hat sich noch als Regierungsrat zusammen mit seinen Kollegen mit dem CKW-Verwaltungsratsmandat ein anderes Abschiedsgeschenk gegeben. Seit einiger Zeit ist nun bekannt, dass Georges Theiler (62) im Herbst als Ständeratskandidat antreten soll. Wie bitte? Theiler war schon 16 Jahre im Nationalrat und ist national nur in Erscheinung getreten, als er zweimal die Wahl zum FDP-Präsidenten verfehlte, daneben wirkte er weitgehend still als typischer Verwaltungs-/Nationalrat. Ich finde, nach 16 Jahren ist es nun genug. Luzern braucht einen echten Kantonsvertreter und nicht einen solchen Interessenpolitiker im Ständerat. Hätte die SVP profilierte Köpfe, wäre gerade in unserem Kanton ein Angriff heuer chancenreich, mal ganz abgesehen davon, dass sie ohnehin zur zweitstärksten Partei geworden ist. Nur hat die hiesige SVP keine mehrheitsfähigen Personen, das zeigten die Regierungsratswahlen erneut deutlich. Bleibt die Linke – SP und Grüne werden bestimmt kandidieren. Portieren sie gute Kandidatinnen oder Kandidaten – können sie sich vielleicht sogar schon für den ersten Wahlgang auf eine einzige Kandidatur einigen? Zu berücksichtigen ist dabei, dass mit dem Abgang von Helene Leumann die Luzerner Deputation in Bern noch männlicher werden dürfte. Progressive Kräfte haben es schwer in diesem konservativen Kanton. Aber es müsste sich doch jemand finden lassen, der echte Chancen hat. Das wäre geiler als Theiler.

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