Kritische Fragen zur Wirtschaftsfakultät

Die Idee einer Wirtschaftsfakultät an der Universität Luzern ist streng genommen eine Notlösung. In einem Strategieprozess hat sich eine Arbeitsgruppe mit Zukunftsplänen für die junge Uni befasst. Sie kam zum Schluss, dass Luzern punkten könnte durch ein Betreuungsverhältnisses von 1:40 (1 Professur pro 40 Studierende), den Aufbau eines Zentrums für angewandte Forschung und einer Schwerpunktsetzung in Gesundheitswissenschaften mit einem neuen Studiengang Psychologie. Die Regierung lehnte die vom Universitätsrat vorgelegten Wünsche im letzten Dezember rundweg ab. Die Begründung war wenig überraschend: Das sei viel zu teuer, insbesondere die Verbesserung des Betreuungsverhältnisses würde den Kanton rund 10 Millionen Franken jährlich kosten. Es erging der Auftrag an die Universität, anstelle von Psychologie den Aufbau einer Wirtschaftsfakultät zu prüfen. Die Regierung äusserte Bedenken, ob AbgängerInnen der Psychologie genügend Arbeitsmarktchancen hätten. Das scheint für Ökonomen nicht zu gelten.

Nun befindet sich die Universität in der komischen Lage, die Idee einer Wirtschaftsfakultät zu verteidigen, die sie gar nicht wollte. Es gibt gute Einwände gegen die Ideen des Regierungsrates:

  1. Braucht es mehr Ökonomen? Die Finanzkrise hat mancherorts zum Abbau solcher Jobs geführt. Zudem besteht mit dem praxisorientierten Studiengang an der Hochschule Luzern bereits ein gutes Angebot.
  2. Ein Wirtschaftsstudium an der Universität ist stärker theoretisch. Doch damit erfüllt es das von der Regierung ins Feld geführte Argument der “Arbeitsmarkttauglichkeit” weniger.
  3. Diese Sichtweise ist generell in Frage zu stellen. An der Universität Luzern studieren heute ca. 2200 Studierende in drei Fakultäten, neben Theologie und Recht rund 800 in geisteswissenschaftlichen Fächern. Diese werden aus ihrem Umfeld immer wieder gefragt: “Und, was wird man damit?” Doch trotz dieser Vorbehalte hinsichtlich späterer Berufschancen nimmt die Zahl der Studierenden an der KSF weiterhin zu. Ich begrüsse es sehr, wenn Studierende primär aus Interesse und Freude an der Sache studieren.
  4. Die Arbeitswelt ist derart im Wandel, dass man heute nicht die Berufsaussichten von morgen vorhersehen kann. An Hochschulen werden grundlegende Fähigkeiten im Umgang mit dem wachsenden Wissen der Welt erworben – und das ist in einer Wissensgesellschaft immer mehr gefragt.

Luzern ist gut beraten, nicht alles nur mit einer wirtschafts- und finanzpolitischen Brille zu betrachten. Geld allein macht nicht glücklich. Eine Universität pflegt durch Lehre und Forschung die Wissenschaft, diese schafft Wissen. Studierende treten ein in diese Wissenswelt und bringen sie weiter. Hochschulen sind mehr als blosse Titelfabriken, die zu möglichst gut bezahlten Jobs führen. Von Bildungsstätten profitieren deren Standorte enorm, sie bringen die Gesellschaft voran – aber das lässt sich längst nicht immer in Geld und Arbeitsplätzen messen.

Dieser Artikel erscheint auch als Kolumne auf lu-wahlen.ch – Das ganze Meinungsspektrum. Auf dieser überparteilichen Seite finden Debatten im Vorfeld der Luzerner Kantonsratswahlen statt.

Verwandte Beiträge: