Mickriger Inhalt

Die Titel-Schlagzeile der Gratisausgabe einer beliebten Schweizer Boulevard-Zeitung ist heute Abend noch blöder und banaler ausgefallen als sonst. Es gibt etwas was noch viel mickriger ist als das gute Stück des Sängers auf dem Titelblatt: Der Informationsgehalt solcher Meldungen.

Aber das passt durchaus ins Konzept dieses Gratisblatts. Es ist im Wesentlichen eine Abfolge von bunten Bildern mit Fokus auf irgendwelchen Promis, Starlets oder Möchte-gern-Celebritys. Einzig auf der Hintergrund-Seite findet man manchmal noch einigermassen gut recherchierte Informationen zu einem aktuellen Thema. Nach dem Sport folgen blaue Seiten, auf denen die sonst schon unscharfe Grenze zwischen redaktionellem Teil und gekaufter Werbung vollends verschwimmt: Technik-News, gesponserte Reisereportagen, Lobhudeleien auf teure Marken und Modetrends. Schliesslich endet der allabendliche Aufguss des Immergleichen mit Comics, Singles, die sich ins beste Licht rücken und SMS von mitteilungsbedürftigen Menschen, denen es nicht genügt, diese bloss an die betreffenden Personen direkt zu schicken.

Das Tabloid wird viel beachtet, vor allem von den Pendlermassen in den Zügen. Es wäre eine Chance, die leider nicht genutzt wird. Aber vielleicht ist es ja bloss die perfekte Verkörperung des momentanen Zeitgeists: lauter kleine Infohäppchen, Promi-Vergötzung, dauerndes Handy-Gequasel – aber bitte keine, wirklich niemals ein bisschen längere und präzisere Information. Heilige Einfalt!

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